Eine gesunde Gesellschaft braucht einen gesunden Planeten

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Sustainability

Im Januar haben wir Microsofts Klima-Initiative ins Leben gerufen und uns als Unternehmen neue Ziele gesteckt, um bis zum Ende dieses Jahrzehnts CO2-negativ zu werden. Auch wenn sich der berufliche und private Alltag für uns alle durch die weltweite Corona-Krise grundlegend verändert hat, sind Nachhaltigkeitsfragen nicht weniger dringend oder wichtig geworden. Aus diesem Grund kündigen wir heute den zweiten Schritt unserer Nachhaltigkeitsbemühungen für 2020 an, mit denen wir den Schwerpunkt auf die Erhaltung und den Schutz der Artenvielfalt und der Gesundheit der Ökosysteme unseres Planeten legen.

Die Natur und die Möglichkeiten, die sie uns Menschen bietet, sind das Fundament unserer globalen Wirtschaft, unserer Kultur und der gesamten menschlichen Existenz. Wir sind von sauberer Luft, Wasser, Lebensmitteln, Medizin, Energie und Baustoffen abhängig, die uns die Natur liefert, doch genau diese Ökosysteme sind bedroht oder befinden sich bereits im Niedergang. Die Erhaltung der Natur zum Wohle der jetzigen und künftigen Generationen ist eine der größten Herausforderungen der Menschheit. Und unsere Herausforderung als Unternehmen ist es, diese globalen Bemühungen durch den Einsatz von Technologien zu unterstützen.

Microsofts neue Initiative zum Erhalt der Artenvielfalt ist facettenreich. Dabei zielt sie vor allem auf die Nutzung von Daten und den Einsatz digitaler Technologien ab, unter anderem durch ein Programm mit dem ehrgeizigen Ziel, Umweltdaten aus aller Welt zu erfassen und in einem neuen „Planetary Computer“ zu verarbeiten. Diesen Ansatz wollen wir mit neuen Maßnahmen kombinieren, um unseren Partnern und Kunden die Möglichkeit zu geben, die Ergebnisse der Datenauswertung zu nutzen, um fundierte ökologische Entscheidungen in Bezug auf ihre eigene Geschäftstätigkeit zu treffen. Wir werden uns außerdem in der politischen Debatte zu ökosystembezogenen Fragen zu Wort melden und Verantwortung für unseren eigenen sogenannten Land-Fußabdruck – also die Auswirkungen unserer eigenen Standorte auf Ökosysteme – übernehmen.

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Rückgang von Artenvielfalt und Ökosystemen

Wie schon die Maßnahmen zur Verbesserung unserer CO2-Bilanz, die wir im Januar angekündigt haben, soll sich auch unsere Arbeit zum Erhalt der Artenvielfalt auf wissenschaftliche Erkenntnisse und Daten stützen. Einer der wichtigsten Schritte in diesem Bereich stammt vom Weltrat für biologische Vielfalt der Vereinten Nationen (IPBES), der für die Überwachung der „Gesundheit“ unserer Erde zuständig ist und im vergangenen Jahr seinen ersten Global Assessment Report on Biodiversity and Ecosystem Services herausgegeben hat. Die Erkenntnisse waren düster. Ein Viertel der Arten des Planeten ist vom Aussterben bedroht. Feuchtgebiete, die Wasser reinigen und speichern und Lebensräume für Tausende von Arten bieten, sind um 87 Prozent geschrumpft. Korallenriffe, die Lebensraum für zahlreiche Meerestiere darstellen, Nahrung und Medizin liefern, als natürliche Dämme fungieren und Millionen von Arbeitsplätzen in der Tourismusbranche sichern, sind in der Neuzeit um 50 Prozent verschwunden. Säugetiere, Vögel und andere Wildtierpopulationen sind in den letzten 40 Jahren um fast 60 Prozent zurückgegangen, und die Zahl der vom Aussterben bedrohten Arten steigt weiterhin rasch an. Sobald ein Tier ausstirbt, beginnt das Ökosystem, in dem es beheimatet war, sich aufzulösen – mit potenziell katastrophalen Folgen und einem weiteren Verlust von Ökosystemen weltweit.

Nehmen wir als Beispiel die Rolle, die Insekten für unsere Gesundheit und unseren wirtschaftlichen Wohlstand spielen. Insekten gehören zu den Arten, deren Vielfalt in den letzten Jahrzehnten dramatisch abgenommen hat. Insekten stellen die Grundlage der Nahrungskette dar und werden von Vögeln, Fischen und Kleintieren gefressen. Insektenbestäuber, darunter auch Bienen, sind für die Produktion von mehr als 75 Prozent der weltweiten Feldfrüchte unverzichtbar. Ohne Insekten gibt es keine Nahrung und ohne Nahrung können Menschen nicht überleben.

Unser prinzipienbasierter Ansatz

Wann immer wir uns mit einem neuen und komplexen gesellschaftlichen Thema befassen, bemühen wir uns zunächst, zu lernen und anschließend Prinzipien festzulegen, die unsere Bemühungen leiten sollen. Dies war von grundlegender Bedeutung für unsere Arbeit im Bereich des Datenschutzes, für die ethisch verantwortungsvolle Entwicklung künstlicher Intelligenz, für unsere ambitionierten Klimaschutzziele und nun auch für unseren Ansatz zum Erhalt der Biodiversität und Ökosysteme. Um unsere Ziele beim Schutz der Artenvielfalt zu erreichen, haben wir die folgenden vier Prinzipien festgelegt, an denen wir uns in unserer Arbeit orientieren:

  1. Nutzung von Daten und digitaler Technologie. Wir können kein Problem lösen, das wir nicht vollständig verstehen. Deshalb werden wir Umweltdaten aus der ganzen Welt erfassen und mit der neuen „Planetary Computer-Plattform“ durch computergestützte Prozesse und maschinelles Lernen verarbeiten.
  2. Unterstützung von Partnern und Kunden weltweit. Wir werden die „Planetary Computer-Plattform“ nutzen, um digitale Technologien zu entwickeln und einzusetzen, die unseren Partnern und Kunden helfen, im Rahmen ihrer eigenen Geschäftstätigkeit ökologisch verantwortungsvolle Entscheidungen zu treffen.
  3. Aktive Teilnahme an der politischen Debatte zu ökosystembezogenen Fragen. Wir werden für nationale und globale politische Initiativen zur Überwachung und Erhaltung von Ökosystemen werben und diese unterstützen.
  4. Verantwortung für unseren eigenen Land-Fußabdruck. Wir werden Verantwortung für die Auswirkungen unserer eigenen Standorte auf Ökosysteme nehmen, indem wir bis 2025 mehr Land schützen als wir selbst nutzen.

Nutzung von Daten und digitaler Technologie – der „Planetary Computer“

Wir wissen zu wenig über die Arten, die Artenvielfalt und die Ökosysteme, die für unsere Gesundheit und unseren Wohlstand unverzichtbar sind. Allein nachzuvollziehen, wo auf dem Planeten sich Wälder, Felder und Wasserwege befinden, stellt weiterhin eine enorme Aufgabe der Umweltbilanzierung dar. Welche Arten in diesen Ökosystemen beheimatet sind oder warum es ihnen gutgeht oder sie zurückgehen, ist weitgehend unbekannt. Wir können jedoch kein Problem lösen, ohne es vollständig zu verstehen.

Die weltweit erste Untersuchung dieser Art wurde im Jahr 2000 vom Weltrat für biologische Vielfalt der Vereinten Nationen (IPBES) auf den Weg gebracht und die mehr als 1.300 Experten aus aller Welt brauchten dafür fast fünf Jahre. Die aktuelle Studie des IPBES, mit der die Lücke zwischen einfachen wissenschaftlichen Erkenntnissen und einer effektiveren Umsetzung politischer Maßnahmen geschlossen werden sollte, umfasst 1.700 Seiten, zitiert mehr als 15.000 wissenschaftliche Quellen und wurde erst 15 Jahre nach der ersten Untersuchung veröffentlicht. Diese Zeit haben wir jedoch nicht, da sich unsere ökologischen Herausforderungen zunehmend verschärfen. Es ist mehr als offensichtlich, dass die Welt einen besseren Zugang zu Umweltdaten benötigt, um die natürlichen Systeme, auf die unsere Gesellschaften angewiesen sind, zu untersuchen, ihren Zustand zu bewerten und sie zu schützen. Aus diesem Grund stellt die Datenanalyse auf der Basis von maschinellem Lernen eine bahnbrechende Entwicklung dar.

Die Untersuchung der „Gesundheit“ unserer Erde muss zu einem kontinuierlichen und integrierten Verfahren werden, das es uns ermöglicht, genau zu verstehen, was im Lauf der Zeit mit unserer Umwelt geschieht, um kluge Entscheidungen treffen zu können. Zum Glück besteht ein erhebliches Potenzial, unsere Methoden durch technologischen Einsatz zu revolutionieren und sie schneller und billiger zu machen sowie erstmals wirklich global durchzuführen. Es sollte für jedermann weltweit so einfach sein, sich über den Zustand des Planeten zu informieren, wie man heute im Internet nach einer Wegbeschreibung oder Restaurantempfehlung suchen kann. Wir müssen die Architektur des Informationszeitalters – also Daten, computergestützte Prozesse, Algorithmen, APIs und Endanwender-Software – nutzen, um unsere Anstrengungen für eine ökologisch nachhaltigere Zukunft zu beschleunigen.

Vor zweieinhalb Jahren hat Microsoft mit seiner Initiative AI for Earth den ersten Schritt in diese Richtung getan, um weltweit führenden Umweltforschern und Umweltschutztechnikern sowie internationalen Unternehmen, die sich für den Schutz unserer Umwelt einsetzen, Tools auf Basis von künstlicher Intelligenz zugänglich zu machen. Seitdem haben wir knapp 500 Organisationen in über 80 Ländern bei der Entwicklung bahnbrechender ökologischer Innovationen unterstützt.

Trotz der hervorragenden Arbeit unserer AI for Earth-Community haben wir festgestellt, dass das allein nicht ausreicht. Unsere Partner benötigen Zugriff auf noch mehr Daten, einen noch intuitiveren Zugang zu Machine-Learning-Tools und eine noch bessere Möglichkeit, sich mit anderen über ihre eigene Arbeit und die Arbeit anderer auszutauschen, als es unser Programm derzeit bietet.

Unsere Community benötigt eine neuartige Plattform – einen „Planetary Computer“. Diese Plattform soll Zugang zu Billionen von Datenpunkten bieten, die von Menschen und Maschinen gesammelt werden – im Weltall, in der Atmosphäre, im und auf dem Boden sowie im Wasser. Sie wird Nutzern die Suche nach geographischer Lage anstatt nach Stichwort ermöglichen. Und sie wird die Option bieten, gezielt Fragen zu spezifischen Lebensräumen zu stellen. Diese Plattform kann dem Anwender vollkommen neuartige Antworten auf seine Fragen liefern, indem sie ihm Zugang zu modernsten Machine-Learning-Tools sowie die Möglichkeit bietet, neue Ergebnisse und Prognosen als Service zu veröffentlichen und für die weltweite Community verfügbar zu machen.

Dieser „Planetary Computer“ kann außerdem Antworten auf kritische Fragen liefern, die sich Wissenschaftler, Umweltschutzorganisationen und Unternehmen schon jetzt täglich stellen – jedoch häufig ohne die Möglichkeit, einfach eine lokal relevante Antwort zu erhalten, zum Beispiel:

  • Genaue Kenntnisse der Baumdichte, der Landnutzung und der Größe von Wäldern haben Auswirkungen für die Erhaltung der Artenvielfalt und die Eindämmung des Klimawandels. Häufig führen Unternehmen teure Erhebungen vor Ort durch oder entwickeln maßgeschneiderte Lösungen, um lokale Wälder zu „verstehen“. Der „Planetary Computer“ kann Satellitenbilder, modernste Machine-Learning-Tools und von Nutzern bereitgestellte Daten zu Waldgrenzen liefern, auf deren Grundlage sich Forstmanager einen umfassenden Überblick über den Zustand von Wäldern machen können.
  • Stadtplaner und Landwirte sind auf Prognosen zur Wasserverfügbarkeit und zu Überschwemmungsrisiken angewiesen, um fundierte Annahmen über das Landmanagement aufstellen zu können. Der „Planetary Computer“ kann hierzu Satellitendaten, lokale Messdaten von Fließgewässern und Grundwasser sowie voraussagende Algorithmen bereitstellen, die Landplaner und Landwirte in die Lage versetzen, datengestützte Entscheidungen zu Wasserressourcen zu treffen.
  • Naturschutzorganisationen sind auf ihre eigenen lokalen Untersuchungen, globale Studien zu Wildtierpopulationen und geeignete Lebensräume für Wildtiere angewiesen. Der „Planetary Computer“ kann für diese Fälle Informationen zu Geländearten und Ökosystemen mit den besten verfügbaren Daten darüber, wo Arten vorkommen, kombinieren und so den Austausch zwischen Wildbiologen weltweit unterstützen.
  • Um den Klimawandel wirksam zu bekämpfen, müssen Unternehmen und Organisationen die natürlichen Ressourcen messen und verwalten, die in der Lage sind, Kohlenstoffdioxid aus der Luft zu binden, z. B. Bäume, Wiesen und Böden. Der „Planetary Computer“ kann hier Satellitenbilder mit KI kombinieren, um aktuelle Informationen zu Ökosystemen zur Verfügung zu stellen, und als Plattform zur Entwicklung von Prognosemodellen dienen, um die weltweiten Kohlenstoffvorräte zu schätzen und fundierte Entscheidungen zur Landnutzung zu treffen, die uns im Kampf gegen den Klimawandel unterstützen. .

Deshalb geben wir heute die nächste Phase von AI for Earth bekannt, in der wir diesen „Planetary Computer“ durch gezielte Investitionen in die Entwicklung der erforderlichen Infrastruktur entwickeln. Damit geben wir unserer AI for Earth-Community – mehr als 500 Projekten in 81 Ländern – Zugang zu den wichtigsten Umweltdatensätzen der Welt sowie zu einer Plattform, auf der diese Datensätze ausgewertet werden können. Zudem werden wir weiter in bestimmte Bereiche zur Lösung von Umweltschutzproblemen investieren, beispielsweise in die Artenbestimmung, die Kartierung der Bodennutzung und die Optimierung der Landnutzung. Außerdem gehen wir im Rahmen von AI for Earth eine neue Partnerschaft mit dem Group on Earth Observations Biodiversity Oberservation Network ein. Fördermittel in Höhe von einer Million US-Dollar werden Projekte unterstützen, die sich um die Erforschung der biologischen Vielfalt bemühen und nützliche Messinstrumente für die Untersuchung und das Management von Veränderungen der biologischen Vielfalt schaffen.

Der „Planetary Computer“ ist enorm komplex und wir können ihn nicht allein aufbauen. Deshalb sind wir weiterhin darauf angewiesen, von der Arbeit und den Anforderungen unserer „Grantees“ zu lernen und gleichzeitig mit den Unternehmen und Organisationen zusammenzuarbeiten, die am besten aufgestellt sind, um globaler Umweltziele voranzubringen. Aus diesem Grund vertiefen wir unsere Partnerschaft mit Esri, einem führenden Anbieter von Geoinformationssoftware mit jahrelanger Erfahrung in der Entwicklung von Lösungen zum Umwelt-Monitoring.

Unsere Partnerschaft mit Esri begann beim Launch von AI for Earth durch gemeinsame Technologieförderprogramme. Microsoft und Esri verfolgen gemeinsam das Ziel, Geoinformationen und deren Analyse – also die Erfassung, Darstellung und Verarbeitung von Daten über Ökosysteme – allen Nachhaltigkeitsforschern und -praktikern weltweit zugänglich zu machen und sicherzustellen, dass jede Umweltschutzorganisation ihre lokalen Daten wieder in diesen globalen Datenpool einspeisen kann. Durch praktische Zusammenarbeit und Fördermittel hat Esri Umweltschutzorganisationen weltweit geholfen, ihre Abläufe so zu transformieren, dass sie digitale Geoinformationen nutzen können, um gefährdete Tierarten vor dem Aussterben zu bewahren, Landflächen zu schützen und Grundlagenforschung zu betreiben, die zu unserem Verständnis von der Natur beiträgt. Angefangen von der kartografischen Erfassung des Waldverlustes bis hin zur Bekämpfung der Elefanten-Wilderei setzen Organisationen auf die Tools und Expertise von Esri, um die Ökosysteme zu verstehen und zu erhalten.

Diese Partnerschaft vertiefen wir im Rahmen der Entwicklung von Geoinformationslösungen auf Basis maschinellen Lernens, die das Fundament des „Planetary Computers“ bilden. Dabei bauen wir auf der Arbeit auf, die wir zur Einführung von AI for Earth begonnen haben: die gemeinsame Unterstützung wichtiger Partner wie dem Half-Earth Project der E.O. Wilson Biodiversity Foundation oder der Map of Biodiversity Importance von NatureServe. Im weiteren Jahresverlauf wollen wir zudem wichtige Geodatensätze über Microsoft Azure und die Tools von Esri verfügbar machen. Und wir werden weiterhin gemeinsam Fördermittel vergeben, um sicherzustellen, dass Umweltschutzorganisationen auf Datenbestände, Rechenkapazitäten und weitere Ressourcen zugreifen können.

Unterstützung für unsere Kunden

Außerdem wollen wir unsere Kunden mit technischen Lösungen dabei unterstützen, Herausforderungen beim Erhalt der Biodiversität zu bewältigen. Dazu entwickeln wir Tools und Dienstleistungen, um Kunden weltweit dabei zu helfen, die Ökosysteme um sie herum zu verstehen, klimatisch bedingte oder menschengemachte Veränderungen zu beobachten und zu modellieren und diese so zu steuern, dass die Artenvielfalt sowie die Gesundheit und Lebensweise der Menschen vor Ort und der Umwelt erhalten bleibt.

So unterstützen wir bereits das Ministerium für den Primärsektor und Rohstoffe des australischen Northern Territory, mithilfe von KI die „Gesundheit“ der Küstengewässer zu überwachen und zu verbessern. Dazu werden Unterwasser-Videoaufnahmen rund um Darwin Harbour in Sekundenschnelle ausgewertet. Die Lösung ist inzwischen auf GitHub für jedermann verfügbar und wurde auf Grundlage von Azure Cognitive Services entwickelt, um die arbeitsaufwändige Zählung lokaler Fischbestände zu automatisieren, indem das Programm schrittweise lernt, unterschiedliche Fischarten zu erkennen.

Beobachtung und Monitoring ist ein erster wichtiger Schritt – der Schutz des Ökosystems erfordert jedoch auch Maßnahmen vor Ort. Deshalb werden wir weiterhin eng mit Organisationen wie Wildlife Protection Solutions und Peace Parks zusammenarbeiten, die auf den Einsatz ferngesteuerter Kameras angewiesen sind, um Bedrohungen durch Wilderei zu erkennen und dagegen vorzugehen. Beide Organisationen nutzen Azure und Microsoft AI, um Bilder effizient zu verarbeiten und die wenigen Ressourcen zur Bekämpfung der Wilderei in Schutzgebieten auf der ganzen Welt gezielt einsetzen zu können.

Wir verstärken auch unsere Investitionen in die Präzisionslandwirtschaft und fördern dabei auch Möglichkeiten, Ernteerträge mithilfe von digitalen Technologien wie KI zu steigern und zugleich die Auswirkungen der Landwirtschaft auf Böden und andere natürliche Ressourcen zu verringern. Unternehmen wie Ag-Analytics und AVR nutzen IoT, KI und maschinelles Lernen auf Microsoft Azure, um präzise Daten zu einzelnen Agrarflächen zu erfassen, damit Landwirte ein Gleichgewicht zwischen Ertrag, Ressourcenverbrauch und Bodengesundheit herstellen können. Diese Erkenntnisse können auch dazu beitragen, dass Nahrungsmittel an eher unkonventionellen Orten angebaut werden können. So verwendet Priva Microsoft Dynamics und O365 für die Digitalisierung seiner Prozesse, um den Wasserverbrauch von Kunden, die Nahrungsmittel in Gewächshäusern, Indoor-Farmen oder sogar unterirdisch in Tunneln anbauen, drastisch zu reduzieren.

Aktive Teilnahme an der politischen Debatte zu ökosystembezogenen Fragen

Staaten spielen eine einzigartige und wichtige Rolle bei der Messung und dem Management von Ökosystemen und der Biodiversität, da sie enorme Datenmengen erfassen und öffentlich zugänglich machen, die für die Umweltwissenschaft von großer Bedeutung sind. Zudem besitzen sie mehrere Milliarden Hektar öffentlicher Flächen, die sie nutzen können, um wichtige Ökosysteme zu schützen, zu verwalten und wiederherzustellen. Darüber hinaus erlassen sie Gesetze und Verordnungen, um die Nutzung und Verwaltung natürlicher Ressourcen und Ökosysteme zu regeln.

Wir werden uns in die politische Debatte zu vier Themen einmischen, von denen wir glauben, dass sie die weltweiten Bemühungen zum Schutz und zur Wiederherstellung von Ökosystemen voranbringen können:

  • Bewertung nationaler Ökosysteme. Bewertungen nationaler Ökosysteme geben Regierungen einen Überblick darüber, was in der natürlichen Umwelt ihres Landes geschieht und welche Maßnahmen erforderlich sind, um wichtige Ökosystemdienstleistungen zu erhalten. Im Rahmen einer solchen nationalen Bewertung – an der Wissenschaftler und politische Entscheidungsträger aus Landes- und Bundesbehörden sowie Universitäten und NGOs beteiligt sind – wird untersucht, wie sich Gewässer, Landflächen und andere Ökosysteme verändert haben, welche Szenarien zukünftig am wahrscheinlichsten sind und welche wirtschaftlichen, sozialen und politischen Folgen sich daraus möglicherweise ergeben. Auf Grundlage dieser Untersuchungen können Regierungen eine datengestützte Politik ausarbeiten, um die natürlichen Ressourcen des Landes bestmöglich zu verwalten. Mehrere Länder, darunter Großbritannien und China, haben eine Bewertung nationaler Ökosysteme durchgeführt. Auch EU-Mitgliedstaaten haben solche Untersuchungen vorgenommen, und die Europäische Kommission plant noch für dieses Jahr die Veröffentlichung ihrer neuen Biodiversitätsstrategie, um die Hauptursachen für den Verlust der Artenvielfalt in der EU anzugehen.
  • Infrastruktur zur schnelleren Messung und Überwachung von Ökosystemen. Regierungen spielen eine wichtige Rolle beim Ausbau der digitalen Infrastruktur, um Ökosysteme zu überwachen und sicherzustellen, dass die Daten öffentlich verfügbar sind. Durch den Einsatz digitaler Tools und hoher Rechenkapazitäten können Regierungen Daten von Bodensensoren, Satelliten und Messstationen zur Überwachung der Atmosphäre erfassen, integrieren und öffentlich zugänglich machen, um in Echtzeit einen genaueren Einblick in den Zustand unserer Ökosysteme zu bekommen. Darüber hinaus können Regierungen dazu beitragen, die Breitbandversorgung in ländlichen Regionen auszubauen, damit Landwirte, Fischer, Förster und die wichtigsten Akteure im Umweltbereich Daten und digitale Tools für eine bessere Verwaltung natürlicher Ressourcen nutzen können.
  • Öffentlicher Land- und Gewässerschutz. Ein wesentlicher Mechanismus des Umweltschutzes besteht in der Bereitstellung staatlicher Mittel für den Erwerb und Erhalt von öffentlichen Landflächen und Gewässern zur Erholung und für den Naturschutz. Regierungen kaufen Land, um Nationalparks einzurichten, empfindliche Ökosysteme und Feuchtgebiete zu schützen, Wildruhegebiete zu schaffen und Kulturerbe-Stätten zu erhalten. So wurde 1964 in den USA der Land- und Gewässerschutzfonds (LWCF) eingerichtet, um Land für diese Zwecke zu kaufen. Ein parteiübergreifender Gesetzesentwurf im US-Kongress sieht vor, dass diesem Fonds dauerhaft ein Jahresbudget von 900 Millionen Jahr sowie Mittel zur Finanzierung des Rückstands bei der Pflege der Naturparks zur Verfügung steht.
  • Public-Private-Partnerships. Regierungen können auch dazu beitragen, Investitionen durch nichtstaatliche Organisationen oder Einzelpersonen und den privaten Sektor zum Schutz und zur Sanierung wichtiger Ökosysteme zu fördern und zu erleichtern. Dazu können sie administrative Hürden beseitigen, Komplementärfinanzierung anbieten, besonders schützenswerte Gebiete identifizieren und Märkte für Ökokredite schaffen. Die Europäische Union schlägt eine neue Public-Private-Partnership vor, die datengestützte Forschung fördert, um den Verlust von biologischer Vielfalt zu stoppen. Ein Beispiel für diese Art der Arbeit ist das europäische Forschungsnetzwerk zur Artenvielfalt, BiodivERsA, das die Biodiversitätsforschung in Europa und darüber hinaus fördert. Weltweit entwickeln Regierungen Public-Private-Partnerships zur Unterstützung des Umweltprogramms der Vereinten Nationen (UNEP) und der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) im Rahmen des Jahrzehnts der Wiederherstellung von Ökosystemen. So hat das Weltwirtschaftsforum jüngst eine öffentlich-private Initiative zur Wiederaufforstung und Wiederherstellung von einer Billion Bäume bis 2030 ins Leben gerufen.

Es ist von entscheidender Bedeutung, dass sich Staaten auch gemeinsam für den Erhalt und Schutz der Artenvielfalt und von Ökosystemen einsetzen. Seitdem Länder im Rahmen der Rio-Konferenz 1992 erstmals zusammenkamen, um dieses Problem anzugehen, und die Biodiversitätskonvention unterzeichneten, hat es einige Fortschritte gegeben. Im Rahmen der UNO haben die Regierungen den Weltrat für biologische Vielfalt, IPBES, eingerichtet. Dieses wissenschaftliche Gremium untersucht Ökosysteme, führte die erste globale Ökosystembewertung durch und hat globale Ökosystemziele vorgeschlagen. Wir hoffen, dass die Staaten diese Ziele beim nächsten PPBES-Treffen Ende dieses Jahres annehmen werden.

Verantwortung für unseren Land-Fußabdruck

Im Rahmen unseres Engagements für den Erhalt von Biodiversität und Ökosystemen übernehmen wir Verantwortung für unseren eigenen, vergleichsweise kleinen, Land-Fußabdruck. Microsoft ist weltweit auf rund 4.500 Hektar Land tätig; das entspricht etwa drei Vierteln der Fläche von Manhattan. Auf dieser visuellen Darstellung können Sie nachvollziehen, in welchen Ökoregionen und Biomen wir arbeiten. Heute verpflichten wir uns auch, bis 2025 mehr Land zu schützen als wir selbst nutzen – etwa durch Landerwerb, die Erleichterung von Schutzmaßnahmen, die Schaffung von Nationalparks und den Naturschutz durch lokale Gemeinschaften und indigene Völker. In Zusammenarbeit mit The Nature Conservancy und der National Fish and Wildlife Foundation wollen wir Land weltweit bzw. in den Vereinigten Staaten schützen. Mithilfe eines datenbasierten Ansatzes werden wir Ökosysteme identifizieren, die am meisten gefährdet sind. Dazu verwenden wir das neue Tool Last Chance Ecosystem“ von The Natur Conservancy und die Rahmenrichtlinien der National Fish and Wildlife Foundation zum nationalen Landschaftsschutz.

Wie schon im Rahmen unserer Klima-Initiative werden wir die Energie und Intelligenz unserer Mitarbeitenden nutzen, indem wir sie einladen, sich ehrenamtlich in Projekten zur Erhaltung der Artenvielfalt und Ökosysteme zu engagieren. Zusätzlich zu unserem jährlich stattfindenden OneWeek Hackathon, bei dem sich 2019 mehr als einhundert Projekte für ökologische Nachhaltigkeit einsetzten, können sich Mitarbeitende von Microsoft als „Bürgerforscher*innen“ an einem neuen iNaturalist Bioblitz beteiligen, um über die App iNaturalist 100.000 neue Beobachtungen zu den Ökosystemen beizusteuern, in denen Microsoft tätig ist, oder sich über Zooniverse an Bürgerforschungsprojekten beteiligen und dazu beitragen, 100.000 Kommentare zu sammeln, um Projekte zur wissenschaftlichen Erforschung des Umweltschutzes weltweit zu unterstützen.

Unsere kollektive Herausforderung

Uns bleibt nicht mehr viel Zeit, um die natürlichen Ressourcen unseres Planeten zu vermessen und zu verwalten. Die US-amerikanischen Centers for Disease Control and Prevention weisen darauf hin, dass ein enger Zusammenhang zwischen der Gesundheit von Menschen, Tieren und der gemeinsam genutzten natürlichen Lebensräume besteht. Dass dieser Zusammenhang nicht ignoriert werden kann, sehen wir am tierischen Ursprung des Coronavirus, wie auch von SARS und MERS. Wir müssen unsere Kräfte bündeln, um Wege zu finden, die Möglichkeiten, die uns die Natur bietet, zu maximieren und gleichzeitig die schädlichen Umweltauswirkungen unserer Tätigkeiten auf ein Minimum zu begrenzen. Das wird nicht einfach sein, aber es ist möglich, wenn wir alle Einzelteile zusammenbringen. Es ist an der Zeit, unsere Bemühungen zu beschleunigen.