Wer durch die Werkshallen der voestalpine Krems GmbH geht, spürt sofort: Hier zählt jedes Detail. Maschinen arbeiten im Takt, Stahlrohre und Profile entstehen mit höchster Präzision. Dahinter steckt ein eingespieltes Zusammenspiel aus Technik, Erfahrung und Verantwortung.
Die voestalpine Krems ist Teil des international führenden voestalpine-Konzerns. Im Werk werden hochentwickelte Stahlrohre und Profile produziert, die weltweit in Bau, Energie und Mobilität eingesetzt werden. Damit diese Qualität täglich gewährleistet werden kann, müssen Anlagen zuverlässig funktionieren – und im Fall einer Störung blitzschnell wieder einsatzbereit sein.
Über viele Jahre funktionierte dieser Prozess zuverlässig – getragen von Erfahrung, klaren Abläufen und enger Zusammenarbeit im Team. Die Instandhaltung in Krems arbeitet seit Jahren auf einem sehr hohen Niveau. Einzelne Schritte waren bereits digital unterstützt, etwa über SAP. Mit zunehmender Anlagenkomplexität und steigenden Anforderungen wurde jedoch deutlich, dass ein durchgängiger digitaler Workflow zusätzliche Transparenz und Geschwindigkeit ermöglichen kann. Mit der neuen Lösung entstand erstmals ein digitaler Workflow von der Störmeldung über Planung und Durchführung bis zur Rückmeldung und Dokumentation – nachvollziehbar, schneller und deutlich effizienter.
„Wir wollten mehr als eine neue Software“, sagt Martin Hiesberger, Projektleiter Digitalisierung bei voestalpine Krems. „Unser Ziel war ein System, das unsere Mitarbeiter*innen im Alltag wirklich unterstützt – von der Störmeldung über Planung bis zur schnellen Behebung des Problems.“
Was das konkret bedeutet, zeigt sich besonders in Situationen, in denen jede Minute zählt – und die Instandhaltung schnell reagieren muss.
Wenn Minuten zählen: Von analogem Reagieren zu digitalem Handeln
Die Instandhaltung ist ein zentrales Fundament für die Produktion in Krems. Viele Aufgaben sind planbar, andere entstehen spontan im laufenden Betrieb und müssen rasch gelöst werden. Ein Beispiel ist die Schlitzanlage, die Stahlbänder in präzise Breiten teilt. Kommt es dort zu einer Blockade, zählt vor allem eines: ein schneller Überblick und klare Abläufe. Früher bedeutete das: telefonische Meldung, Ausdruck, Weg zur Maschine, Ersatzteile suchen und anschließend Rückmeldung. Einzelne Schritte liefen digital, doch die Verbindung zwischen Systemen, Teams und Maschinen war nur teilweise gegeben. Viele Entscheidungen basierten auf der Erfahrung der Mitarbeiter*innen vor Ort. Das funktionierte zuverlässig, erforderte jedoch einen hohen Abstimmungsaufwand.
Mit dem Projekt DREAM (Digitales Ressourcen-, Einsatz- und Auftragsmanagement) entschied sich die voestalpine-Krems GmbH für einen neuen Ansatz. Bereits 2019 starteten erste Workshops mit Workheld, in denen Grundlagen und Standards für eine digitale Instandhaltung diskutiert wurden. Seit 2022 sind die Anforderungen im Werk Krems deutlich gestiegen – insbesondere durch den Bedarf nach mehr Transparenz, schnelleren Reaktionszeiten und einer durchgängigen digitalen Dokumentation. Die Entscheidung fiel daher, den gesamten Prozess neu aufzusetzen und langfristig skalierbar zu gestalten.
Im Jänner 2023 wurde das Projekt formal gestartet, im Februar folgte das gemeinsame Kick-off. Die Umsetzung erfolgte bewusst praxisnah: nicht nur in Meetings, sondern direkt in der Werkstatt und an den Anlagen. Entwickler*innen begleiteten Instandhalter*innen bei ihrer Arbeit, beobachteten Abläufe, testeten Funktionen und optimierten sie in kurzen Iterationszyklen. Alle zwei Wochen wurden neue Funktionen vorgestellt, getestet und weiterentwickelt.
Im März 2024 ging die Lösung schließlich in den Live-Betrieb. Heute werden Störungen direkt an der Anlage digital erfasst. Die Schichtleitung erhält innerhalb von Sekunden eine Benachrichtigung und kann den Auftrag zuweisen. Techniker*innen sehen sofort, welche Anlage betroffen ist, welche Informationen vorliegen und welche Materialien benötigt werden.
Ersatzteile können über mobile Geräte geprüft werden, Rückmeldungen erfolgen in Echtzeit. Vom Alarm bis zum Einsatz vor Ort vergehen oft weniger als zwei Minuten. Dadurch verkürzen sich Reaktionszeiten deutlich, Störungen können schneller behoben und potenzielle Stillstände in der Produktion reduziert werden.

„Das Besondere an diesem Projekt war die enge Zusammenarbeit mit den Teams vor Ort“, erklärt Christine Geier, COO von Workheld. „Wir haben mit den Menschen gearbeitet, die täglich an den Anlagen stehen – und daraus eine Lösung entwickelt, die sich an ihrer Praxis orientiert.“
Ein zentraler Grundsatz lautete dabei: Digitalisierung nur dort, wo Prozesse gleichzeitig verbessert werden. Statt isolierter Optimierung entstand so eine Lösung, die sich schrittweise erweitern lässt – Werk für Werk – Bereich für Bereich.
Technologie, die mitwächst
Technologisch basiert die Lösung auf Microsoft Azure. Die Cloud-Plattform stellt Skalierbarkeit, Sicherheit und die Integration mit den bestehenden Systemen wie SAP sicher. Gleichzeitig schafft sie die Grundlage, um Daten aus Anlagen, Instandhaltung und Produktion zentral auszuwerten und für weitere Optimierungen zu nutzen. Durch Azure bleiben alle Daten zentral verfügbar, geschützt und aktuell.
„voestalpine Krems GmbH und Workheld zeigen, wie digitale Transformation in der Industrie aussehen kann – nah an den Menschen, mit klaren Zielen und einer Technologie, die mit den Anforderungen wächst“, sagt Josef Strohmeier, Account Executive bei Microsoft Österreich.
Bereits heute nutzt die gesamte Produktion in Krems die digitale Störmeldefunktion. Weitere Bereiche – darunter Werkzeugbau und Infrastruktur – befinden sich aktuell in der Umsetzung. Perspektivisch sollen Anlagen Störungen automatisch melden. Historische Daten werden KI-gestützt ausgewertet und Techniker*innen können über einen digitalen Assistenten direkt auf relevantes Erfahrungswissen zugreifen. So entsteht Schritt für Schritt ein System, das die Instandhaltung nicht nur digital unterstützt, sondern künftig auch vorausschauend verbessern kann.
„Digitalisierung wirkt nur dann nachhaltig, wenn Teams sie aktiv mittragen und sie im Alltag wirklich hilft“, so Martin Hiesberger. „Genau das erleben wir hier gerade und das macht uns zuversichtlich für die nächsten Schritte.“