KI für die Wissenschaft: 5 Wege, wie sie bei der Lösung großer Herausforderungen hilft – vom Labor bis in die praktische Anwendung

Künstliche Intelligenz kann längst mehr als Gedichte schreiben oder Essensvorschläge liefern. Sie verändert auch die Art und Weise, wie wir forschen und die Welt verstehen. 

Forschende können mittlerweile Elektronen sichtbar machen, neue Materialien entwickeln und sogar mit Bäumen „sprechen“. Generative KI-Tools beschleunigen wissenschaftliche Entdeckungen und ermöglichen neue Einblicke – von den Zellen in unserem Körper bis hin zu den Ökosystemen, die uns umgeben. 

„Wissenschaft gehört zu den spannendsten Einsatzfeldern von KI“, sagt Dr. Peter Lee, Leiter von Microsoft Research. „Wir glauben, dass generative KI nicht nur die Sprache der Menschen erlernen kann, sondern auch die der Natur, einschließlich der von Molekülen, Kristallen, Genomen und Proteinen.“ 

In der ersten Jahreshälfte 2025 hat Microsoft eine Reihe von Studien in Fachzeitschriften veröffentlicht sowie neue Tools und Partnerschaften in verschiedensten Bereichen wie Medizin, Energie, Biologie und Quantenphysik vorgestellt. Das Ziel: Forschende dabei zu unterstützen, komplexe Fragestellungen schneller zu lösen und ihre Erkenntnisse mithilfe leistungsfähiger und verlässlicher KI in die Praxis zu bringen, sagt Lee. 

Im Folgenden werfen wir einen Blick auf fünf Forschungsfelder, in denen KI bereits jetzt deutliche Fortschritte ermöglicht und in denen die nächsten großen Durchbrüche wohl nicht mehr weit entfernt sind. 

Gesundheit: Versorgung und Forschung verbessern

Künstliche Intelligenz spielt eine immer wichtigere Rolle im Gesundheitswesen, nicht nur bei der Automatisierung von Abläufen, sondern auch als Unterstützung für Ärzt*innen und Forschende: Sie hilft, Zusammenhänge schneller zu erkennen, Krankheiten früher zu diagnostizieren und gezielter zu behandeln. Von klinischen Notizen bis zu pathologischen Aufnahmen analysieren diese multimodalen Modelle große, unstrukturierte Datensätze. Dabei entdecken sie Muster, die helfen, Krankheiten früh zu erkennen und individuellere Behandlungen zu ermöglichen. 

Ein Beispiel: PadChest-GR, ein besonderer Datensatz mit 4.555 Röntgenbildern des Brustkorbs, samt präziser Befundtexte auf Spanisch und Englisch. Entwickelt von der Universität Alicante gemeinsam und Microsoft, unterstützt PadChest-GR Radiolog*innen dabei, Bilder zuverlässiger auszuwerten und KI-Systeme zu trainieren, die mit dem medizinischem Fachpersonal lernen und sich laufend verbessern. 

Ein weiteres Beispiel ist der Microsoft AI Diagnostic Orchestrator (MAI-DxO), der ähnlich wie das Zusammenspiel eines ganzen Ärzteteams funktioniert: Das System wertet gleichzeitig verschiedene Datenquellen aus und kombiniert die Ergebnisse. Diese Forschung zeigt, wie KI dazu beitragen kann, selbst schwierige medizinische Fälle mit höherer Genauigkeit und geringeren Kosten zu lösen. 

MAI-DxO ist Teil einer neuen Generation wissenschaftsnaher KI-Tools für das Gesundheitswesen – wie unter anderem GigaPath, das pathologische Proben großflächig auswertet, und ein Projekt in Kenia, das hilft Mangelernährung bei Kindern frühzeitig zu verhindern, indem es gefährdete Gemeinden identifiziert. 

Forschung: Schnellere wissenschaftliche Erkenntnisse

Künstliche Intelligenz hilft dabei, wissenschaftliche Erkenntnisse deutlich schneller zu gewinnen, indem sie komplexe Daten auswertet und natürliche Prozesse in einem Maßstab und einer Geschwindigkeit simuliert, die mit herkömmlichen Methoden unmöglich wären. 

Microsoft Discovery ist eine neue Plattform auf Basis sogenannter agentengesteuerter KI. Diese Art von Systemen kann mit zuvor erteilter Erlaubnis denken, planen und handeln und übernimmt so Aufgaben wie Hypothesenbildung, Simulationen und die Optimierung von Experimenten. Wie ein*e menschliche*r Forschungspartner*in erkennt Microsoft Discovery Muster in riesigen Datenmengen und hilft, Ideen deutlich schneller zu testen. In einem ersten Pilotprojekt identifizierte Discovery in etwas mehr als einer Woche einen neuen Prototyp für ein Kühlmittel für Rechenzentren – ein Prozess, der sonst Monate gedauert hätte. 

Microsofts neues KI-Modell für die Dichtefunktionaltheorie (DFT) hilft derweil, ein über 60 Jahre alte Problem der Materialforschung zu lösen, indem es das Verhalten von Elektronen präzise und schnell simuliert. Das schafft neue Anwendungsmöglichkeiten, etwa für die Entwicklung von Medikamenten, Batterien oder umweltschonenden Düngemitteln. 

Weitere Beispiele sind BioEmu-1, ein Tool zur Analyse von Proteinstrukturen, oder MatterGen, das bei der Entwicklung neuer Materialien unterstützt. Beide eröffnen Forschenden effizientere Wege, ihre Ideen in die Praxis zu bringen. 

KI für die Erde: Neue Werkzeuge für eine Welt im Wandel

Künstliche Intelligenz findet zunehmend Einzug von der Theorie in die Praxis, um Forschenden zu helfen, den Zustand unseres Planeten besser zu verstehen und Umweltprobleme anzugehen. 

Ein Beispiel ist Aurora. Die KI ist eines der ersten Grundlagenmodelle, das speziell mit geowissenschaftlichen Daten trainiert wurde. Es kann weit mehr als nur das Wetter vorhersagen: Aurora modelliert das Zusammenspiel zwischen Atmosphäre, Land und Ozeanen und liefert so präzisere Prognosen für Ereignisse wie Wirbelstürme, Luftverschmutzung oder Meereswellen. Mit diesen Informationen können sich Gemeinden besser auf Naturkatastrophen vorbereiten und auf die Folgen des Klimawandels einstellen. 

Auch in der nachhaltigen Entwicklung zeigt KI neue Wege auf: Forschende von Microsoft und der University of Washington experimentieren mit einem CO₂-armen Zement, dem sie Seetang-Biomasse beimischen – und so klimafreundlicheres Baumaterial schaffen. 

Und es geht noch weiter: Die Intelligent Garden App von Avanade „kommuniziert“ mit Stadtbäumen. Sie wertet Sensor-Daten über Bodenfeuchtigkeit, Luftqualität oder Wachstum aus und erstellt daraus umfassende Gesundheitsberichte. In Tansania wiederum hilft KI dabei, gefährdete Giraffen besser zu schützen: Sie analysiert Drohnenbilder, erkennt einzelne Tiere an ihren einzigartigen Fellmustern und ermöglicht so gezielten Artenschutz.

Quantum: Wenn KI auf Quantenphysik trifft

Quantencomputer eröffnen neue Perspektiven für die Forschung, vor allem dort, wo klassische Computer an ihre Grenzen stoßen. Anders als herkömmliche Rechner, die mit Einsen und Nullen arbeiten, nutzen Quantencomputer sogenannte Qubits. Diese können mehrere Werte gleichzeitig darstellen und erlauben es so, viele Varianten parallel zu berechnen. Das macht sie besonders hilfreich bei der Simulation komplexer Vorgänge wie chemischer Reaktionen oder dem Materialverhalten. 

Microsoft verbindet Quantenphysik mit KI, um diese Art der Forschung weiter voranzutreiben. Ein neuer Durchbruch ist die Entwicklung von 4D-Geometriecodes, einer neuartigen Methode zur Fehlerkorrektur in Quantenhardware, die sie stabiler und verlässlicher macht. Gleichzeitig arbeitet Microsoft mit dem Unternehmen Atom Computing an Systemen, die auf neutralen Atom-Qubits basieren. Der Majorana-1-Chip bietet eine alternative Quantenarchitektur und ermöglicht besonders zuverlässige, skalierbare Qubits. 

Solche Innovationen eröffnen den Forschenden neue Methoden bei der Modellierung von Problemen in Bereichen, in denen die klassische Datenverarbeitung an ihre Grenzen stößt – wie Gesundheit, Materialforschung oder Klimawissenschaft. 

Energie: Intelligentere und sauberere Stromerzeugung

KI spielt eine zunehmend wichtige Rolle dabei, wie wir Energie erzeugen, speichern und nutzen. Sie macht bestehende Systeme effizienter und hilft gleichzeitig, neue Ansätze zu entwickeln. 

So hat Microsoft beispielsweise gemeinsam mit Nissan eine KI-basierte Methode entwickelt, die den Verschleiß von Elektroauto-Batterien präzise vorhersagen kann. Dadurch sind weniger langwierige Tests nötig. Außerdem hilft sie bei der Entscheidung, welche Batterien recycelt werden können, statt sie entsorgen zu müssen. Dies ist ein wichtiger Beitrag zu Nissans Ziel, CO₂-Emissionen zu senken. 

Auch bei der Entwicklung der Kernfusionsenergie, einem langfristigen Ziel für saubere Stromerzeugung, sorgt KI für einen enormen Fortschritt. Mithilfe komplexer Simulationen physikalischer Prozesse können Wissenschaftler*innen neue Ideen deutlich schneller testen und besonders aussichtsreiche Reaktorkonzepte identifizieren, um diese Technologie früher zur Marktreife zu bringen. In den USA arbeitet Microsoft außerdem daran, Genehmigungsverfahren für fortschrittliche Kern- und Fusionsprojekte durch KI effizienter zu gestalten – denn langwierige Regulierungsprozesse wirken oft bremsend auf die Energiewende. 

Ein weiterer Schritt zum nachhaltigen Speichern von Energie: Microsoft über 32 Millionen Materialkombinationen durch KI untersucht und fand so einen neuen Stoff, der den Lithiumbedarf in Batterien um bis zu 70Prozent senken könnte. 

Die Hauptillustration wurde mit Microsoft Copilot und dem Visual Creator-Agenten in Microsoft 365 Copilot erstellt.  

Andere Bilder:  

  • Gesundheit: Dr. Jorge Scheirer vom St. Luke’s University Health Network – Foto von Rachel Wisniewski;  
  • Entdeckung: Animation von Microsoft Research;  
  • Erde: Animation von Microsoft Research;  
  • Quantum: Majorana 1, der erste Quantenchip, der mit einem Topological Core betrieben wird, der auf einer revolutionären neuen Materialklasse basiert, die von Microsoft entwickelt wurde – Foto von John Brecher für Microsoft;  
  • Energie: Foto von Kirill Rudenko/Getty Images.

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