Als er das Handelsblatt zum Gespräch empfängt, erlebt Satya Nadella gerade einschneidende Tage. Am 28. Oktober hat die Microsoft-Aktie den höchsten Stand in 50 Jahren Firmengeschichte erreicht: 542 Dollar. Seitdem geht es abwärts – wie für andere Tech Aktien auch. Es grassiert die Angst, der Hype rund um Künstliche Intelligenz (KI) könnte zu Ende sein.
KI ist die Schlüsseltechnologie, mit der CEO Nadella Microsoft in den ver gangenen Jahren zu einem Liebling der Börse gemacht hat. 2014 übernahm der heute 58-Jährige den Chefposten. Er ist erst der dritte Microsoft-Chef in 50 Jahren Firmenge schichte, nach dem Gründer und Tech-Über vater Bill Gates und dem bollerigen Verkäufer Steve Ballmer. Nadella übernahm einen Konzern im Abstiegskampf: Die Smartphone-Revolution hatte Microsoft verpasst, die PC-Verkäufe fielen seit Jahren. Windows 8 erwies sich als Flop. Die von Ballmer geprägte aggressive Firmenkultur sorgte zudem dafür, dass sich die Abteilungen des Riesenkonzerns oft feindlich gegenüberstanden.
Der weitere Weg schien vorgezeichnet: Microsoft würde nach und nach im Halbschatten der Mittelmäßigkeit verschwinden, wie so viele andere Tech-Riesen zuvor, von IBM bis Hewlett Packard. Doch Nadella gelang die Neuerfindung des Traditionskonzerns. Unter seiner Führung verachtzehnfachte sich der Aktienkurs. Der indischstämmige Manager setzte dafür auf zwei radikale Wetten: Zum einen richtete er Microsoft neu aus als Cloud-Dienstleister, also als Anbieter von Rechenzentren zur Datenverwaltung. Heute ist die konzerneigene Cloud-Sparte Azure nach Amazon Web Services (AWS) der zweitgrößte Clouddienst der Welt. Zum anderen setzte Nadella früher als andere auf KI. Ohne sein Investment im Jahr 2019 in ein obskures KI-Forschungslabor namens OpenAI gäbe es wahrscheinlich kein ChatGPT und damit auch keinen KI-Hype.
Drei Jahre, nachdem der Textroboter ChatGPT unsere Vorstellung davon verändert hat, was Computer vermögen, empfängt Nadella das Handelsblatt also zum Gespräch in einem Podcast-Studio in der Firmenzentrale in Redmond bei Seattle. Nadella kommt fünf Minuten zu früh. Ein sanfter Händedruck, eine zugewandte Frage nach dem Befinden, und dann geht es auch schon los. Knappe 40 Minuten Zeit hat Nadella für das Gespräch mitgebracht.
Handelsblatt: Analysten schätzen, dass die US-Technologieriesen, auch Hyperscaler genannt, bis 2026 über 500 Milliarden Dollar in KI-Technologie investieren könnten. Erst gestern hat Google-CEO Sundar Pichai die „Irrationalität“ des KI-Booms angeprangert. Er sagt, jedes Unternehmen wäre betroffen, wenn die Blase platzt. Was sagen Sie: Befinden wir uns in einer Blase?
Nadella: In unserer Branche gab es etwa alle zehn Jahre einen massiven Plattformwechsel, sei es hin zum PC, zum Client-Server, zum Internet, zu Mobile oder in die Cloud. Und jetzt erleben wir zumindest in meiner eigenen Karriere den vierten solchen Wandel. Diese Veränderung geht, genau wie bei der Cloud, mit einem hohen Kapital- und Wissensaufwand einher. Schon für die Cloud-Welle mussten wir Rechenzentren aufbauen und Software-Innovationen vornehmen. Die KI-Welle ist dasselbe mit Hyperantrieb.
Nun müssen wir diesen langen Atem beibehalten. Denn in fünf Jahren wird der Anteil der Technologie am Bruttosozialprodukt auf jeden Fall höher liegen, sei es in Deutschland, den Vereinigten Staaten oder anderswo auf der Welt. Und wenn man davon ausgeht, dass er höher sein wird, dann sollte man sich nicht zu viele Gedanken darüber machen, was von Quartal zu Quartal passiert. Man sollte Investitionen so tätigen, dass sie letztendlich Rendite bringen, aber vor allem geht es hierbei um langfristige Veränderungen, die sich auf die gesamte Wirtschaft auswirken. Letztlich muss KI einen echten Mehrwert für die Welt bringen, und das sehen wir bereits.
Ihr neues Rechenzentrum vom Typ „Fairwater“ in Atlanta besitzt die zehnfache Leistungsfähigkeit des weltgrößten Supercomputers. Es enthält Hunderttausende von Nvidia-Chips. Allein in diesem Ge schäftsjahr investiert Microsoft mehr als 80 Milliarden Dollar in KI. Wann wird sich diese Investition auszahlen? Und was passiert, wenn die Blase doch platzt – für Microsoft und die gesamte Wirtschaft?
Zunächst einmal müssen Sie nicht nur unsere Investitionsausgaben betrachten, sondern auch unseren freien Cashflow und unseren Umsatz. In gewisser Weise ist der einzige Grund, warum wir diese Ausgaben tätigen können, dass wir nicht auf zukünftige Einnahmen vertrauen müssen. Wir haben sie bereits in der Gegenwart. Allein unser Azure-Geschäft ist heute größer, als es das gesamte Microsoft-Geschäft vor zehn Jahren war. Daher haben wir das Mandat, so zu investieren, wie wir es heute tun – auch in KI-Umsätze. Tatsächlich ist Microsoft in dieser Hinsicht ziemlich einzigartig, selbst unter den Hyperscalern: Wir verbuchen bereits heute KI-Umsätze in großem Umfang. Das zeigt sich in den Wachstumsraten von Azure.
Nadella spricht in der Folge über das KI-Produktportfolio des Konzerns, das mehr als 150 Millionen Nutzer im Monat zähle. So habe Microsoft den KI-Assistenten „Copilot“ im Konsumentenbereich, den professionellen Assistenten „Microsoft 365 Copilot“ für Firmenkunden. Man habe den „Github Copilot“ für Programmierer, den inzwischen in „Dragon“ umbenannten „Dax Copilot“ im Gesundheitswesen und den „Security Copilot“ für die Cybersicherheit.
I. KI-Hype und (k)ein Ende
Wenn der studierte Elektroingenieur Nadella spricht, ist man gewillt, ihm erst einmal zu folgen. Der gebürtige Inder spricht leise, bedacht und mit der ihm eigenen Melodie, die das Gefühl vermittelt: Hier hat jemand jeden Zweifel bereits eingepreist. Nadella vermittelt Sicherheit. Neben den eigenen Rechenzentren, den vielen Software-Produkten und der gigantischen Kundenbasis ist der CEO damit das vielleicht wichtigste Asset von Microsoft. Denn Zweifler, Kritiker und Konkurrenten, die auf jeden Fehltritt des Konzerns lauern, gibt es viele.
Da wäre die Alphabet-Tochter Google, im KI-Bereich der gefährlichste Konkurrent von Microsoft. Der Suchmaschinenriese wird auch von einem Ingenieur geführt, dem ebenfalls indischstämmigen Sundar Pichai. Vergangene Woche hat Google sein neues KI-Modell Gemini 3 vorgestellt. Marc Benioff, Chef des Software Konzerns Salesforce, nannte Gemini 3 einen „Quantensprung“, der Google wieder vor OpenAI platziere. Obendrein hat Pichai exklusiven Zugriff auf sein Modell – und muss sich die Margen nicht wie Nadella mit einem Start-up teilen.
Im lukrativen Cloud-Markt wiederum kommt Microsoft nicht an AWS vorbei. Zwar wuchs Nadellas Azure zuletzt schneller, doch AWS-Chef Matt Garman bleibt einstweilen der Primus – und schaltet auf Angriff: Im Oktober schloss Garman einen prominenten Deal mit OpenAI, das nun nicht mehr exklusiv an Microsoft gebunden ist. Zudem hat AWS seine Partnerschaft mit Anthropic ausgeweitet. Das zweitwichtigste KI-Start-up, gegründet von OpenAI-Abtrünnigen, nutzt vor allem AWS-Rechenzentren und sogar Amazons hauseigene KI-Chips.
Das KI-Wettrennen ist damit voll entbrannt. Und kostet zunächst vor allem eines: Geld. Die Hunderte Milliarden, die in neue Chips fließen, vor allem von Nvidia, sind längst zum wichtigsten Antreiber des US-Wachstums geworden. Ohne den KI-Boom befände sich die US-Wirtschaft wahrscheinlich „bereits in einer Rezession“, urteilen die Analysten von BCA Research. Die Bank of America schätzt, dass allein die In vestitionen von Microsoft, Amazon, Google und Meta in diesem Jahr 1,1 Prozent des Brutto inlandsprodukts der USA beisteuern.
Und die Ratingagentur Morningstar warnt im Verhältnis zum Sozialprodukt überstiegen die KI-Ausgaben bereits jene des Eisenbahnbaus im 19. Jahrhundert: „Um diese Investitionen zu rechtfertigen, müssten 2030 jährliche Einnahmen in Höhe von zwei Billionen Dollar erzielt werden. Doch derzeit liegen die Einnahmen aus KI bei nur 20 Milliarden Dollar – erforderlich wäre also eine Steigerung um das 100-Fache.“
1987 sagte der Nobelpreisträger Robert Solow: „Das Computerzeitalter ist überall zu sehen, nur nicht in den Produktivitätsstatistiken.“ Trifft das auch auf das KI-Zeitalter zu?
Ich erinnere mich sehr gut an dieses Zitat, denn es stammt aus der Zeit, als ich in die Computerbranche eingestiegen bin. Ein weiterer Kritiker der Technologie und ihrer Produktivität war Robert Gordon von der Northwestern University. Wenn man sich seine Arbeit ansieht, dann stellt man fest, dass die technologiegetriebenen Produktivitätsanstiege Anfang der 2000er-Jahre schlussendlich im Sozialprodukt sichtbar wurden. Das lag vor allem am PC. Entwickelt wurde er in den 80er-Jahren, aber erst Mitte der 90er-Jahre wurde er wirklich zum Mainstream. Bis zum Jahr 2000 hatte er sich dann zumindest im Westen durchgesetzt – und zeigte sich auch in den Statistiken.
Die Lektion, die ich daraus gelernt habe, ist, dass neue Technologien zunächst einmal weit verbreitet sein müssen. Man kann nicht plötzlich sagen: Ich habe zum ersten Mal Excel gestartet, wo ist mein Produktivitätsgewinn? Man muss Excel und E-Mail dauerhaft nutzen und die Geschäftsprozesse um sie herum ändern, damit sich die Produktivitätsgewinne zeigen. Momentan befinden wir uns noch in der Hype-Phase, in der wir nur über KI-Technologie reden. Wir müssen in die Phase kommen, in der jedermann agentenbasierte KI-Modelle und -Werkzeuge nutzt und damit etwas schafft, auf das er stolz sein kann.
Satya Nadella wurde 1967 in der indischen Großstadt Hyderabad als Sohn eines hochrangigen Beamten geboren. Nach der Schulausbildung studierte er zunächst Elektroingenieurwesen in Indien, dann Computer Science und Management in den USA.
Bevor Nadella 1992 zu Microsoft wechselte, arbeitete er als Elektroingenieur beim Silicon-Valley-Urgestein Sun Microsystems. Das Unternehmen wurde später von Oracle übernommen. Nadella war bei Microsoft maßgeblich an der Entwicklung der Suchmaschine Bing sowie des Bürosoftwarepakets Office beteiligt. Er leitete beim Softwarekonzern das wichtige Cloud- und Unternehmensgeschäft. Seit Februar 2014 ist Nadella Microsoft-Chef und Nachfolger von Steve Ballmer.
Wie wird die Technologie unser Leben, unsere Arbeit, unsere Welt verändern, sagen wir, in den nächsten zehn Jahren?
Nehmen wir einen der wegweisenden KI-Anwendungsfälle, die Software-Entwicklung. Ich erinnere mich noch genau daran, als ich damit begann: Gott sei Dank startete ich in der Zeit nach den Lochkarten. Ich begann auf einem PC, einem Z80. Und es ging nur darum, Code in Assembly oder Basic zu schreiben. Dann habe ich gelernt, dass es Compiler gab, und dann haben wir eine neue Abstraktionsebene erreicht und ich konnte in einer höherentwickelten Sprache schreiben. Und jetzt haben wir mit dem Github Copilot eine weitere Ebene erreicht – die der KI-Agenten, die uns Aufgaben abnehmen.
Ich gebe Ihnen ein weiteres Anwendungsbeispiel. Was macht ein Arzt, der heute Dax Copilot einsetzt? Er lässt den Dax Copilot das Gespräch protokollieren, in sein Computersystem eingeben und gleich auch die Abrechnungscodes erstellen. Und hat so mehr Zeit, über die Behandlungsempfehlungen für seinen Patienten nachzudenken.
Nadella liebt Technik – und Beispiele. Er könnte stundenlang über Programmiersprachen wie Lex und Yak reden, die er bereits in der Schule erlernte. Über den Tellerrand der eigenen Profession hinauszuschauen, haben ihm seine Eltern vorgelebt: Sein Vater war indischer Beamter und Marxist. Seine Mutter eine Sanskrit-Lehrerin, die ihm die Welt der Lyrik erschloss. Nadella liebt Gedichte von Rainer Maria Rilke.
II. Geburtshelfer des KI-Hypes
Den Bereich Cloud erkannte Nadella als Wachstumsfeld, als viele Software-Konzerne noch auf sogenannte On-Premise-Lösungen setzten, also auf Programme, die im kundeneigenen Serverraum im Keller laufen. Früh dran war er auch im Bereich KI, als er auf OpenAI setzte, lange bevor ChatGPT das Licht der Öffentlichkeit erblickte. Es waren Microsofts über 13 Milliarden Dollar Kapital – eingebracht vor allem in Form von Rechenzeit in den konzerneigenen Azure-Serverzentren –, die es Open AI ermöglichten, von einem gemein wohlorientierten Forschungslabor zum weltweit wichtigsten Start-up für KI zu wachsen.
Das Investment war das eine. Nadellas vielleicht wichtigere Entscheidung war dann aber, OpenAIs Modelle in immer mehr Produkte des Konzerns einzubauen – nicht immer zur Begeisterung der vielen Microsoft-eigenen Entwicklerinnen und Entwickler und unter teils „chaotischen“ Umständen, wie die Beratung Gartner äzt. Excel, Word, Windows: Microsofts Copilot ist heute überall drin – aber ist er auch erfolgreich?
Auswertungen von Marketingfirmen wie First Page Sage oder One Little Web unterscheiden sich im Detail, sehen im Konsumentenbereich den kostenlosen Copilot jedoch deutlich abgeschlagen im Vergleich etwa zum Marktführer ChatGPT. Und ernüchternd sieht es laut Beobachtern auch im Firmenkundengeschäft aus. So berichtete der bekannte US-Blogger Ed Zitron unter Berufung auf einen unbenannten Insider, im August 2025 hätten nur acht Millionen von insgesamt 440 Millionen Microsoft-365-Abonnenten eine Bezahllizenz des Copilots abgeschlossen, was einer Konversionsrate von 1,8 Prozent entspräche.
Der Konzern widerspricht: Nur neun Monate nach dem Start hätten bereits „Millionen“ von Microsoft-365-Kunden den Chat benutzt. Die Akzeptanz steige „rapide“ und wachse „von Quartal zu Quartal um 50 Prozent“. Die Zahl seiner Copilot-Abonnenten veröffentlicht Microsoft allerdings bis heute nicht.
Wissen Sie, was vor fast genau zwei Jahren, am 17. November 2023, passiert ist?
Der 17. November 2023 … (überlegt)
Sie waren da ziemlich beschäftigt.
Oh ja, jetzt verstehe ich, was Sie meinen. Ich dachte erst, wir sprechen vom November im Jahr zuvor, als wir ChatGPT vorgestellt haben (lacht).
Wir sprechen über die Entlassung von Sam Altman durch den Verwaltungsrat von OpenAI. Damals haben Sie eingegriffen, Altman durfte zurückkehren. Es gab viele Insider, die sagten: Satya Nadella verwettet die Zukunft eines Konzerns mit 200.000 Mitarbeitern auf ein kleines Start-up aus San Francisco. Hatten Sie an diesem Wochenende Angst, mit OpenAI auf das falsche Pferd gesetzt zu haben?
Nun, ich erinnere mich vor allem an das Ergebnis eines Cricket-Spiels zwischen Indien und Australien an jenem Wochenende, das nicht so toll war. Aber abgesehen davon: Wir sind in einem Unternehmen groß geworden, das weiß, wie man gute Partnerschaften schließt. OpenAI war damals ein gemeinnütziges Forschungslabor, mit dem wir sehr gerne zusammengearbeitet haben. Und dabei blieb ich auch während der November-Episode, wenn wir sie so nennen wollen. Ich sagte: Hey, ich werde mit OpenAI zusammenarbeiten, und wenn dort etwas Unvorhergesehenes passiert, werde ich mit Sam zusammenarbeiten, innerhalb oder außerhalb von OpenAI. Ich bin froh, dass es für alle Beteiligten gut ausgegangen ist.
Sie sind Partner, sie sind zugleich Konkurrenten. OpenAI buhlt auch um Firmenkunden von Microsoft. Einige Technikchefs von Unternehmen haben mir erzählt, dass deren Beschäftigte ChatGPT dem Microsoft-Copilot vorziehen, weil es besser funktioniere. Manche würden ChatGPT sogar heimlich nutzen, obwohl ihr Unternehmen eine Vereinbarung mit Microsoft hat. Was sagen Sie denen?
Zunächst einmal will ich den großen Erfolg von ChatGPT in keiner Weise schmälern. ChatGPT hat über 800 Millionen aktive Nutzer pro Tag. Aber ich denke, wir haben uns mit dem Copilot im Verbraucherbereich gut positioniert, und dort, wo wir vertreten sind, machen wir stetige Fortschritte. Ich bin begeistert davon, und gleichzeitig bin ich mir bewusst, dass sowohl ChatGPT als auch Google einen massiven Fußabdruck im Verbraucherbereich haben. Und was den Unternehmenskundenbereich angeht, bin ich sehr zuversichtlich. Wir können dort einzigartige Möglichkeiten anbieten: Das Besondere am Copilot ist nicht nur die Chat-Schnitt- stelle zum Web.
Das Besondere ist, dass er eine Verbindung zu den firmeneigenen Daten herstellen kann. Es macht keinen Sinn, nur darauf aufzubauen, was im Internet steht. Ich muss wissen, was mein Unternehmen weiß und was das Web weiß, damit ich meine Arbeit auf differenzierte Weise erledigen kann.
III. Von Modellen, Daten und Abgründen
Laut dem Portal „The Information“ erhält Microsoft 20 Prozent des Open-AI-Umsatzes bis 2030, eine Zahl, die die Beteiligten auf Anfrage nicht bestätigen. Ende Oktober hat OpenAI einen organisatorischen Umbau bekannt gegeben: Künftig kontrolliert eine Stiftung das neue Herz des Unternehmens, eine privatwirtschaftliche Firma, die Gewinnstreben mit Gemeinwohlorientierung verbinden soll. Microsoft bleibt mit rund 27 Prozent der wichtigste Anteilseigner – und erhält bis 2032 Zugang zu den OpenAI-Technologien. Gleichzeitig darf sich das Start-up andere Cloud-Partner neben Azure suchen.
Auch Microsoft arbeitet daran, sich von OpenAI unabhängiger zu machen – und verkündete
Mitte November, auch Modelle des eng mit Amazon verbandelten Start-ups Anthropic zu unterstützen. Die Grok-Modelle von Elon Musk sind seit Mai ebenfalls bei Azure zu finden. Letztlich seien die Modelle im Hintergrund austauschbar, sagte Ray Smith, Leiter KI-Agenten bei Microsoft: „Wir werden in Zukunft weniger über die neuesten Modelle von OpenAI und Anthropic sprechen, sondern mehr über die konkreten Lösungen, die unsere Kunden erstellen.“
In Ihrem Buch „Hit Refresh“ sprechen Sie davon, dass Technologie Menschen auf der ganzen Welt stärker mache. Wenn man heutigen Tech-Vordenkern zuhört, klingt die Zukunft eher düster. Es kursiert die Sorge, dass KI die Weltherrschaft übernehmen oder sogar die Menschheit auslöschen könnte. Warum bleiben Sie optimistisch?
Wir durchlaufen Zyklen, in denen wir entweder völlig begeistert einer neuen Technologie gegenüberstehen oder, wie Sie sagen, vor allem Weltuntergangsszenarien sehen. Ich denke, wir sollten einen Mittelweg finden, das heißt im Kern optimistisch sein, aber auch mit möglichen unbeabsichtigten Folgen prinzipienfest umgehen. Wegen möglicher Gefahren von KI haben wir ein Digital Safety Board gegründet, das sowohl Microsoft als auch OpenAI bei Produkteinführungen berät. Sein Zweck besteht nicht darin, endlos über KI-Sicherheit zu diskutieren, sondern darin, KI-Sicherheit bei jedem Einsatzschritt anzuwenden und daraus zu lernen.
Cybersicherheit wird generell eine der größeren Herausforderungen sein. Die großartigen Programmiermöglichkeiten dank KI bieten ein Werkzeug, das von jemand anderem als Waffe eingesetzt werden kann. Daher müssen wir unsere Abwehrmaßnahmen verstärken. Das ist ein gesunder Ansatz für die Tech-Branche. Denn manchmal waren wir zu optimistisch, haben gesagt: „Erst kommt der Einsatz, dann kommen wir zurück und räumen auf.“ Wenn aber eine Technologie so allgegenwärtig ist, so zentral für unser Leben und unsere Arbeit wie KI, dann müssen wir wirklich bei jedem Schritt über ihren Einsatz nachdenken.
In Microsofts Cybersicherheitszentrum in Redmond sind täglich die Gefahren zu sehen, denen die digitale Welt heute ausgesetzt ist. Laut Microsofts jüngster Erhebung, die mehr als 100 Billionen Sicherheitssignale pro Tag auswertet, sind etwa die russischen Cyberangriffe auf Deutschland in den vergangenen Monaten um 25 Prozent gestiegen.
„Der Februar 2022 war das erste Beispiel eines hybriden Kriegs“, sagt der Leiter des Zentrums, Steven Masada, beim Rundgang in Bezug auf den russischen Überfall auf die Ukraine. „Wir waren die Ersten, die Kiew alarmiert haben.“ Als globaler Infrastrukturanbieter sei man „ständiges Ziel von Attacken.“
In Microsofts Cybersicherheitszentrum in Redmond sind täglich die Gefahren zu sehen, denen die digitale Welt heute ausgesetzt ist. Laut Microsofts jüngster Erhebung, die mehr als 100 Billionen Sicherheitssignale pro Tag auswertet, sind etwa die russischen Cyberangriffe auf Deutschland in den vergangenen Monaten um 25 Prozent gestiegen.
„Der Februar 2022 war das erste Beispiel eines hybriden Kriegs“, sagt der Leiter des Zentrums, Steven Masada, beim Rundgang in Bezug auf den russischen Überfall auf die Ukraine. „Wir waren die Ersten, die Kiew alarmiert haben.“ Als globaler Infrastrukturanbieter sei man „ständiges Ziel von Attacken.“
IV. Das Kreuz mit der Politik
US-Präsident Donald Trump ist ein großer Freund von Zöllen und hat mit zahlreichen Staaten einen Handelskrieg vom Zaun gebrochen, der nach wie vor schwelt. Microsoft ist auch deshalb so erfolgreich, weil es große Teile seines Umsatzes außerhalb den USA erwirtschaftet. Jedes transatlantische Zerwürfnis gefährdet das Geschäft.
Wir sehen einen wachsenden Protektionismus in Washington und im Rest der Welt. Wie navigieren Sie in diesem Umfeld, wie wirkt es sich auf Ihr Geschäft aus?
Als multinationales Unternehmen müssen wir uns bewusst machen, dass unsere „Licence to Operate“, unsere Daseinsberechtigung, davon abhängt, dass wir vor Ort einen echten Mehrwert schaffen, sei es in Deutschland oder in den USA. Wir sollten keine „Licence to Operate“ erhalten, wenn wir nicht dazu beitragen, dass kleine oder mittelständische Unternehmen weltweit wettbewerbsfähiger werden. Dass der deutsche öffentliche Sektor effizienter wird, dass sich die Gesundheitsversorgung und das Bildungswesen verbessern. Und dass ein großes multinationales Unternehmen wie Mercedes-Benz, mit dem wir eng kooperieren, weltweit hervorragende Arbeit leisten kann.
Die Globalisierung hat in der Vergangenheit viel Gutes bewirkt, aber sie hatte auch vielfältige Auswirkungen auf alle Gesellschaften. Genau diese Auswirkungen werden derzeit diskutiert. Und darauf müssen wir uns als multinationales Unternehmen einstellen. Wir können nicht einfach sagen: Das politische Umfeld, das wir gewohnt waren, ist das einzig richtige. Vielmehr müssen wir wettbewerbsfähig bleiben und dafür unsere Lieferketten überdenken. So ist Microsoft heute einer der größten Kapitalinvestoren in Deutschland und Europa.
Sie bauen etwa neue Rechenzentren im Rheinland.
Genau. Damit setzen wir unser Kapital einem Risiko aus. Aber wir tätigen diese Investitionen, weil sie letztendlich zur Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands beitragen werden.
In Ihrem Buch sprechen Sie über Ihre Erfahrungen als Einwanderer der ersten Generation aus Indien. Sie schreiben: „Wir sind dann am besten, wenn wir aktiv nach Vielfalt und Inklusion streben.“ Die neue US-Regierung unter Donald Trump sieht das anders und fordert etwa ein Ende der Initiativen für Vielfalt, Teilhabe und Inklusion. Widerspricht das nicht allem, wofür Sie stehen, als Mensch und als Manager?
Nein … (pausiert.) Zunächst einmal denke ich, dass die USA, wie Sie zu Recht betont haben, ein unglaublicher Ort für uns war, gerade für mich als Einwanderer der ersten Generation. Ich sage immer, dass ich ein Produkt zweier unglaublicher Umstände bin. Der erste ist die Tatsache, dass mich amerikanische Technologie dort erreicht hat, wo ich aufgewachsen bin. Der zweite ist die US-Einwanderungspolitik, die es mir ermöglicht hat, hierherzukommen und dann auch in dieser Branche zu arbeiten. Letztendlich geht es um Folgendes: Viele Menschen sprechen heute davon, dass Vielfalt und Inklusion sowie eine Leistungsgesellschaft irgendwie im Widerspruch zueinander stehen müssen. Das sehe ich nicht so. Ich denke, es geht vielmehr darum, eine leistungsorientierte Gesellschaft zu gewährleisten, indem man sicherstellt, dass man die Talente, die es bereits vor Ort gibt, und die Talente, die wir von außerhalb brauchen, nicht übersieht. Jedes Land muss hier eigene Strategien ent wickeln. Aber ich für meinen Teil muss sagen, dass ich das Glück hatte, in die USA zu kommen und einen Platz in einer Branche wie dieser zu finden. All das ließ mich spüren, dass ich hierhin gehöre. Und ich denke, das ist alles, was zählt.
Das ist wohl das Maximum an Trump-Kritik, das sich der Chef des nach Nvidia und Apple drittwertvollsten Konzerns der Welt leisten kann. Bei Trumps Amtseinführung, an der die meisten Tech-Bosse der USA teilnahmen, fehlte Nadella. Auch peinliche Anbiederungsversuche an Trump sind von ihm nicht überliefert. Eine Ausnahme in der Tech
Welt, sagt die Historikerin Margaret O’Mara von der Universität Washington, die mit dem „außergewöhnlichen Erfolg“ Microsofts zusammenhänge. Die meisten Tech-CEOs täten alles dafür, Trumps Gunst zu gewinnen: „Sie haben panische Angst, ins Fadenkreuz eines launischen Präsidenten zu geraten.“
V. Deutschland im Fokus
In Deutschland ist Microsoft seit 1983 aktiv, hat viele große und noch mehr mittelständische Kunden. Als einer der ersten Anbieter weltweit konnte Siemens in Partnerschaft mit Microsoft einen industriellen Copilot offerieren. Aktuell nutzen laut Siemens mehr als 100 Kunden den KI-gestützten Assistenten, mit dem sich zum Beispiel Maschinen schneller und einfacher programmieren lassen. Auch der Autozulieferer Schaeffler nutzt den „Industrial Copilot“: Dank ihm dauere die Neuinstallation von Werkzeugmaschinen nur noch Stunden statt wie früher Tage. So kann der KI-Agent Eingaben in natürlicher Sprache binnen Sekunden in Code übersetzen. Menschliche Programmierer müssen dann noch etwa 20 Prozent der so entstandenen Software nachbearbeiten.
„KI-gestützte Copiloten verändern die Fertigung. Wir können mit Maschinen jetzt in unserer eigenen Sprache kommunizieren“, sagt Siemens-Industrievorstand Cedrik Neike. Demnach soll der Copilot Siemens-Produkte – wie die in fast jeder Fabrik der Welt verbauten Simatic-Steuerungen – noch effektiver und damit attraktiver machen.
Nadella sei mehrmals pro Jahr hier, sagt Microsoft-Deutschlandchefin Agnes Heftberger. „Satya spricht dabei nicht nur mit den CEOs, sondern auch mit Experten auf der Arbeitsebene. Er will genau verstehen, wie unsere Produkte beim Kunden ankommen.“ Binnen zweier Jahre investiere Microsoft 3,2 Milliarden Euro in Deutschland, wo man rund 30.000 Partnerfirmen zähle. Neben Unternehmen setzt auch die Bundesregierung auf die Zusammenarbeit mit Microsoft, etwa beim Aufbau staatlicher Cloud-Angebote. Zugleich gibt es Sorge vor Abhängigkeiten. Beispiel ICC: Der Internationale Strafgerichtshof hat angekündigt, künftig auf die Microsoft-Produkte für den digitalen Arbeitsplatz zu verzichten aus Angst vor Sanktionen der Trump-Regierung. Die Institution in Den Haag ist da bei, auf die Open-Source-Lösung „Open Desk“ zu wechseln.
Deutschland ist ein wichtiger Markt für Microsoft. Derzeit gibt es viele politische Diskussionen über die richtige Zukunft für das Land. Wie blicken Sie auf Deutschland?
Wenn jemand einen Ingenieur wie mich nach Deutschland fragt, was antwortet er dann? Er denkt an die deutsche Ingenieurskunst, richtig (lacht)? Die ist eines der modernen Weltwunder. Selbst wenn ich zu meinem Zahnarzt in Bellevue, Washington gehe, ein paar Meilen von hier entfernt, bin ich vom deutschen Mittelstand umgeben, seiner Präzisionstechnik, seinen Maschinen.
Für mich hat Deutschland eine enorme Chance, die Zukunft zu gestalten. Ich sehe den kommenden Erfolgszyklus in etwa so: Amerikanische Technologie wie die unsere kommt nach Deutschland. Wir integrieren sie in unsere Cloud-und KI-Rechenzentren, wo sie von deutschen Mittelständlern genutzt wird. Auch Siemens ist ein großartiges Beispiel dafür, wie viel sie mit dem Einbau neuer Technologie in ihre Lösungen erreicht haben.
Oder Mercedes-Benz mit KI im Auto?
Ja. Mercedes-Benz und Siemens integrieren all diese Technologien wirklich in ihre Produkte. Unsere Kunden in den USA und überall sonst auf der Welt tun es ihnen gleich. Sie nutzen die Technologien, fügen ihren individuellen Mehrwert hinzu und exportieren die Endprodukte in die Welt. Dabei entsteht ein komparativer Vorteil – Ricardo lag nicht falsch.
Nur: Um das möglich zu machen, müssen wir bis zu einem gewissen Grad die Wertschöpfung neu denken. Denn die Wertschöpfung entsteht heute nicht mehr nur im althergebrachten Ingenieurwesen, sondern im Ingenieurwesen plus digitale Technik. Letztere ähnelt der Elektrizität: Alles ist heute digital. Wenn Sie einen Mercedes fahren oder eine Siemens-Maschine verwenden, die beide an unsere Rechenzentren angeschlossen sind, handelt es sich dann um ein Industrieprodukt oder um ein digitales Gerät? Ich würde sagen: Derlei Grenzen verschwimmen.
Viele deutsche Unternehmen treiben dabei auch Sorgen um. Nehmen wir den Fall des Internationalen Strafgerichtshofs. Hier musste Microsoft vor Kurzem aufgrund einer US-Regierungsanweisung Konten sperren. Glauben Sie, dass solche Fälle in Zukunft häufiger auftreten werden? Wie groß ist das Problem?
Ich denke, das ist einer der grundlegenden Gründe, warum wir uns zur Stärkung der digitalen Souveränität verpflichtet haben und in diesem Bereich investieren, sei es in Bezug auf Datenspeicherung innerhalb der EU-Grenzen oder bei der deutschen Souveränitäts-Cloud, die wir aufbauen. Das sollte jedem Kunden die Gewissheit geben, dass er die Souveränität und Kontinuität bekommt, die er benötigt.
Es ist Nadellas Versprechen und Wette zugleich: KI wird in den nächsten Jahren den Arbeitsalltag in zahlreichen Jobs
verändern, ob bei der Softwareentwicklung oder in der Arztpraxis. Microsoft soll die Grundlage dafür liefern – als
Anbieter digitaler Infrastruktur, als Spezialist für intelligente Geschäftsprozesse, als Ausrüster der Wissensarbeiter
und, in Form der Tochter LinkedIn mit ihren knapp 1,3 Milliarden Mitgliedern, als Austauschnetzwerk.
Dabei plädiert Nadella für eine Arbeitsteilung: Firmen der „Old Economy“ integrieren die Technologie von Microsoft in
ihre Autos und Produktionssteuerungen, fügen „ihren einzigartigen Mehrwert“ hinzu und exportieren sie in alle Welt.
Ganz im Sinne des britischen Ökonomen David Ricardo, der Anfang des 19. Jahrhunderts die Vorteile des freien
Handels beschrieb. Was das allerdings auch bedeutet: Microsoft wird in dieser Vision zu einer Voraussetzung für
wirtschaftliche Leistungsfähigkeit im Rest der Welt.
VI. Von Versorgern und Vätern
Microsoft positioniere sich als „kritischer Versorger für eine digitale Grundversorgung“, sagt Axel Oppermann, Gründer des Analysehauses Avispador: weiterhin mit Programmen für den digitalen Arbeitsplatz, zunehmend auch mit KI-Agenten, die Geschäftsprozesse automatisieren. Vor allem aber mit einem Netz aus Rechenzentren, das die Welt umspannt – und bald so unverzichtbar werden könnte wie die Versorgung mit Strom oder Wasser.
Oppermanns Fazit: „Wer die Rechenleistung kontrolliert, kontrolliert die digitale Ökonomie – und Microsoft baut genau dieses Fundament so tief, dass Wettbewerber nicht einmal mehr den Grund sehen.“
Nadellas Konzern ist damit für viele Firmenkunden immer schwerer zu ersetzen. Damit hat Microsoft eine erhebliche Preissetzungsmacht. Jüngstes Beispiel: Anfang November stellte das Management die Lizenzstruktur für diverse Onlinedienste um, darunter das weit verbreitete Programmpaket Microsoft 365. Bislang hat Microsoft Mengenrabatte angeboten: Je mehr Arbeitsplätze ein Kunde mit Microsoft 365 ausstattete, desto weniger zahlte er pro Lizenz. Neuerdings gilt jedoch ein Einheitspreis im Sinne „größerer Transparenz und einer Vereinheitlichung“, wie der Konzern luftig erklärt. Für die Unternehmenskunden heißt das: Bis zu zwölf Prozent Mengenrabatt entfallen.
Seine Fans sehen Nadella als einen Ausnahmemanager, der die Zukunft seines Konzerns mit den Folgen neuer Technologien für die Gesellschaft ausbalanciert. Weniger wohlmeinende Beobachter sagen: Der leise auftretende Nadella schaffe es, Kritik an Microsoft mit wohltemperierten Visionen zuzudecken.
Nur bei einem Thema wird Nadella wirklich persönlich: seiner Familie. Mit seiner Frau Anu, einer studierten Architektin, lebt er bei Seattle. Das Paar hat drei Kinder aufgezogen, zwei Töchter und seinen Sohn Zain.
Zum Schluss möchte ich Ihnen eine persönliche Frage stellen. Ihr Sohn Zain wurde – wie eine meiner Cousinen – mit einer zerebralen Lähmung geboren. Sie haben in der Vergangenheit über Ihren Sohn gesprochen, über seine Liebe zur Musik und darüber, wie er Sie Empathie gelehrt hat. Zain ist vor drei Jahren verstorben. Von welcher Zukunftstechno- logie hätten Sie sich gewünscht, dass er sie noch miterlebt? Und wie können wir sicherstellen, dass KI inklusiv ist, eine Technologie, die allen zugänglich ist?
Ja. Das ist eine (stockt), das ist eine schöne Frage. Als wir den Copilot auf den Markt brachten mit einem neuen Charakter namens Mico, da erwähnte eine meiner Töchter, wie sehr Zain Nemo und Ice Age und dergleichen geliebt hat. Und da dachten wir uns: Er hätte Mico geliebt. Ich bin froh, dass Sie mich daran erinnert haben. Ich finde Barrierefreiheit faszinierend. Als ich bei Microsoft anfing, sahen wir das so: Du entwickelst ein Produkt, und dann baust du die Technik zur Barrierefreiheit obendrauf. Es war also nur ein Zusatz. Dank der Möglichkeiten, die wir heute haben, hat sich das geändert. Ein multimodales Sprachmodell ist die zugänglichste Technologie, die je entwickelt wurde, weil die Art der Eingabe keine Rolle mehr spielt. Man kann alles in alles verwandeln. Und selbst bei den Human-Interface-Technologien stehen wir an der Schwelle zu etwas Neuem. Ein Projekt, an dem ich zusammen mit meiner Tochter gearbeitet habe, war, meinem gelähmten Sohn zu helfen: Wir versuchten mithilfe einer Kopfhaube, elektrische Signale zu sammeln, um zu sehen, wie wir mit ihm kommunizieren können. Und genau hier registriere ich viele Fortschritte, die Forscher im Bereich Gehirn-Maschinen-Schnittstellen machen.
Ich bin also voller Hoffnung, dass die Computertechnik eine treibende Kraft für universelle Inklusion sein kann – und die aktuelle Technologiewelle genau dafür in Erinnerung bleiben wird.
Auf dieser Note sollten wir enden. Vielen Dank für Ihre Zeit heute.
Vielen Dank. Es war mir ein Vergnügen.
Das Interview führte Felix Holtermann. Es wurde aus dem Englischen übertragen, redaktionell bearbeitet und gekürzt. Das komplette Gespräch hören Sie im Podcast „Handelsblatt Disrupt“ und sehen Sie in der Handelsblatt-App und auf Youtube. Mitarbeit: Christof Kerkmann, Axel Höpner, Philipp Alvares de Souza Soares