Wie KI das Gesundheitswesen weltweit verändert: Sieben Anwendungsbeispiele aus der Praxis
Gesundheitssysteme setzen zunehmend auf KI, um Ärzt*innen sowie Pflegekräften mehr Zeit zu schenken und die technologischen Voraussetzungen für eine bessere Patientenversorgung zu schaffen.
Angesichts knapper finanzieller Mittel und wachsender Nachfrage nach Gesundheitsleistungen setzen Krankenhäuser, Apotheken und Arztpraxen weltweit KI-Technologien ein, um den Zeitaufwand für die Dokumentation zu reduzieren, Abläufe in der Übermittlung wichtiger Gesundheitsinformationen zu beschleunigen und die Arbeitsbedingungen für stark belastete Pflegekräfte, Ärzt*innen sowie Apotheker*innen zu verbessern.
Von Apotheken in Kenia über den Rettungsdienst in München bis hin zu einem Krankenhaus in Japan, das einen Ransomware-Angriff bewältigt – KI-gestützte Tools werden eingesetzt, um Gesundheitssysteme effizienter und sicherer zu machen und den Zugang zu medizinischer Versorgung und Gesundheitsdienstleistungen zu verbessern. Dabei haben all diese Ansätze eines gemeinsam: den Fokus darauf, dass medizinisches Fachpersonal jederzeit die Kontrolle behält und im Zentrum von Entscheidungsprozessen und der Patientenversorgung steht.
Die folgenden sieben Beispiele zeigen, wie KI-Technologie von Microsoft im Gesundheitswesen eingesetzt wird, um die medizinische Versorgung und Gesundheitsdienstleistungen zu verbessern.
Von Sally Beatty
Die Feuerwehr München nutzt einen KI-Sprachbot, der bei der Erfassung von Krankentransporten unterstützt und mehr Zeit für Notfälle schafft
Bei der Feuerwehr München hilft ein KI-Sprachbot dabei, Disponent*innen in der Leitstelle zu entlasten, indem er nicht-kritische Transportanrufe übernimmt – während der Mensch weiterhin die Kontrolle behält. Das System wurde von Expert*innen entwickelt, die die Arbeit aus erster Hand kennen – Feuerwehrleuten, Notfallsanitäter*innen sowie Disponent*innen – und in Zusammenarbeit mit Expert*innen von Microsoft umgesetzt.
Der KI-Sprachbot nutzt natürliche Sprache in mehreren Sprachen, um nicht-kritische Patiententransporte zu organisieren, sodass sich Disponent*innen auf Notfälle konzentrieren können. Das System wurde mit Microsoft Foundry, Azure Speech (HD Voice) und Azure AI Search innerhalb von Foundry entwickelt und kann kritische Details überprüfen – bei Bedarf werden Anrufe direkt an menschliche Mitarbeitende übergeben.
Derzeit befindet sich das System im Beta-Test in der Notaufnahme des LMU Klinikums, dem größten Krankenhaus Münchens.
Entscheidend ist: Die Menschen hinter der Technologie übernehmen Notfälle weiterhin selbst. Einer der Entwickler, Florian Dax, formuliert es so: „Es ist uns wichtig, die KI im Rettungsdienst mitzugestalten. Bei allen unterstützenden Aufgaben und Anrufen mit niedriger Priorität kann KI wirklich helfen.“
Ein Krankenhausverbund in Großbritannien nutzt Ambient-Technologie, um Ärzt*innen bei Dokumentationsaufgaben zu entlasten und ihnen mehr Zeit für Patient*innen zu ermöglichen
Die Ärzt*innen des Manchester University NHS Foundation Trust gehen neue Wege, um den Dokumentationsaufwand zu reduzieren und mehr Zeit für ihre Patient*innen zu haben. Sie nutzen Microsoft Dragon Copilot, ein Ambient-AI-Tool, das Konsultationsgespräche mithört und automatisch in strukturierte klinische Notizen umwandelt.
Statt während der Termine mitzuschreiben, können sich die Behandelnden vollständig auf die Patient*innen konzentrieren, während Dragon Copilot im Hintergrund Gespräche transkribiert, Informationen strukturiert und die Patientendokumentation für elektronische Patientenakten erstellt.
Der Kardiologe Dr. Charles Pearman testet das System bereits seit mehreren Monaten. Er berichtet, dass er pro Patientengespräch mehrere Minuten einspart – Zeit, die sich im Praxisalltag schnell summiert. Er schätzt, dass er aufgrund der eingesparten administrativen Arbeit täglich eine zusätzliche Behandlung durchführen kann. Laut Mark Cubbon, Chief Executive des Manchester University NHS, deuten erste Ergebnisse darauf hin, dass die Technologie dem Krankenhausverbund helfen könnte, jährlich bis zu eine Viertelmillion zusätzliche Patient*innen zu behandeln.
KI hilft Apotheker*innen in Kenia, mehr Patient*innen zu versorgen
Apotheken übernehmen in Afrika mehr Aufgaben als nur die Ausgabe von Medikamenten, da der Bedarf für Gesundheitsdienstleistungen die Kapazitäten des Gesundheitssystems deutlich übersteigt. In Kenia gilt das besonders für kleine, unabhängige Apotheken, die Menschen in ihrer unmittelbaren Umgebung versorgen. Diese Apotheken sind für die Gemeinschaft von großem Wert – wirtschaftlich zu arbeiten, ist für sie jedoch schwierig.
Eine KI-gestützte App namens Zendawa – eine Kombination aus „zen“ und „dawa“, dem Suaheli-Wort für Medizin – hilft Apotheken, ihre Bestände zu verwalten, Ressourcenverschwendung zu reduzieren und Kosten zu sparen. Wilfred Chege, Mitgründer und CEO von Zendawa, entwickelte die App, die auf Microsoft Copilot 365 basiert und Tools aus Power BI nutzt. Die Anwendung unterstützt Apotheken dabei, bedarfsgerecht zu planen, und sammelt Verkaufsdaten, die in eine Bonitätsbewertung einfließen, sodass Apotheken Kredite beantragen können, um ihr Geschäft auszubauen.
Zendawa hat einigen Apotheken einen großen Sprung ermöglicht – vom Papier-und-Stift-System hin zu KI. Das Unternehmen hilft Apotheker*innen zunächst bei der Digitalisierung und anschließend bei der Nutzung der App.
Ein Vater in Spanien wartete 10 Monate auf eine Diagnose – sein KI-Tool braucht heute nur Minuten
Als sein Sohn Sergio im Säuglingsalter an Anfällen zu leiden begann, durchlebte die Familie von Julián Isla eine Odyssee. Erst nach zehn Monaten mit Fehldiagnosen, Unsicherheit und verpassten Behandlungsmöglichkeiten wurde festgestellt, dass das Kind am Dravet-Syndrom litt, einer seltenen neurologischen Erkrankung. Diese Erfahrung – geprägt von Angst und unzureichender Behandlung, die zu Dutzenden Anfällen an einem einzigen Tag führte – überzeugte Isla davon, dass anderen Familien mithilfe moderner Technologie ein ähnlicher Leidensweg erspart bleiben könnte.
Isla, der seit vielen Jahren als Softwareentwickler bei Microsoft arbeitet, war überzeugt, dass KI die Zeit zur Diagnose seltener Krankheiten erheblich verkürzen kann, indem sie große Datenmengen zu Symptomen analysiert. Nach Sergios belastender Diagnose wurde Isla zu einem wichtigen Fürsprecher für Patient*innen mit seltenen Erkrankungen in Spanien. Er gehörte im Jahr 2017 zu den Gründern der Foundation 29, die sich zum Ziel setzt, KI im Gesundheitswesen einzusetzen.
Diese Arbeit führte zu DxGPT, einem KI-basierten Tool zur Diagnoseunterstützung auf Basis von Microsoft Azure. Mittlerweile wird das Tool von Hunderttausenden Menschen weltweit genutzt, ist in das öffentliche Gesundheitssystem Madrids integriert und wird derzeit auf zwei weitere spanische Regionen ausgeweitet.
Es hilft Ärzt*innen und Patient*innen, schneller Antworten zu erhalten – und verwandelt individuelle Krankengeschichten in frühere Diagnosen.
Integrierte KI hilft bei der Prävention von Burnout im Gesundheitswesen im Westen der USA
Intermountain Health, eines der größten gemeinnützigen Gesundheitssysteme im Westen der USA, arbeitet mit Microsoft zusammen, um den zunehmenden Fällen von Burnout bei medizinischem Fachpersonal und der administrativen Belastung durch Dokumentationsanforderungen entgegenzuwirken. Im Rahmen einer langjährigen Partnerschaft führte Intermountain Microsoft Dragon Copilot ein – einen KI-gestützten Assistenten für klinische Arbeitsabläufe –, der direkt in das elektronische Gesundheitssystem integriert ist. Der Assistent nutzt natürliche Sprache sowie Ambient- und generative KI, um Gespräche zwischen Patient*innen und Behandelnden zu erfassen und automatisch klinische Notizen auf hohem fachlichem Niveau zu erstellen. So muss das Fachpersonal weniger Zeit für die Dokumentation aufwenden und hat mehr Zeit für die Patient*innen.
Nach der Einführung im gesamten Verbund hat Intermountain Dragon Copilot auf mehr als 2.500 aktive Behandelnde skaliert. Die Organisation berichtet von schnellerer Dokumentation, geringerer mentaler Belastung sowie höherer Zufriedenheit bei Mitarbeitenden und einer stärkeren Einbindung der Patient*innen. Intermountain treibt die Einführung von Technologien, die sich nahtlos in bestehende Arbeitsabläufe integrieren, mit hoher Priorität voran – und kann so sein eigentliches Ziel mit Nachdruck verfolgen: das Wohlbefinden der Mitarbeitenden zu verbessern und gleichzeitig eine stärker vernetzte, patientenzentrierte Versorgung in seinen Krankenhäusern und Kliniken zu gewährleisten.
Ein japanisches Krankenhaus machte aus einer Ransomware-Krise einen Neustart der Cybersicherheit
Als ein Ransomware-Angriff im Jahr 2022 die IT-Infrastruktur des Osaka General Medical Center lahmlegte, war ein kompletter Neustart notwendig. Server waren nicht mehr zugänglich, Patientendaten waren gesperrt, die interne Kommunikation funktionierte nicht.
Innerhalb von zwei Monaten kehrte der Betrieb zur Normalität zurück. Der Krankenhausleitung war jedoch bewusst, dass die Sicherheitsmaßnahmen grundlegend überarbeitet werden mussten.
„Wir haben erkannt, dass die bisherigen Cybersicherheitsmaßnahmen nicht ausreichen“, sagte Dr. Takeshi Shimazu, Präsident des Krankenhauses.
Das Osaka General, eines der führenden Krankenhäuser Japans, setzte auf KI-gestützte Sicherheits- und Cloud-Technologien von Microsoft, um seine Abwehrmaßnahmen zu verbessern.
Das Krankenhaus nutzt heute Microsoft Defender, einschließlich Endpoint Detection and Response, sowie Microsoft Entra ID zur Steuerung des Zugriffs im gesamten Netzwerk – sowohl lokal als auch in der Microsoft Azure Cloud. Microsoft Defender verwendet maschinelles Lernen, um Bedrohungen zu erkennen und Malware zu blockieren, während Microsoft Entra ID KI-gestützte Risikoanalysen nutzt.
Zudem wurde Microsoft 365 für die 2.000 Mitarbeitenden eingeführt, um Arbeitsabläufe zu verbessern und die Zusammenarbeit über Anwendungen wie SharePoint, Teams und Copilot Chat – ein webbasiertes KI-Assistenztool für vielfältige Anwendungen – zu ermöglichen.
Ein europäischer Krankenhausverbund nutzt moderne Technologie, um die Gesundheitsversorgung von Patient*innen zu verbessern und Kosten effizient zu managen
Ribera, ein privater Betreiber von 16 Krankenhäusern und 74 medizinischen Zentren in Spanien, Portugal und Mitteleuropa, steht vor denselben Herausforderungen wie Gesundheitssysteme weltweit: eine zunehmende Nachfrage nach Gesundheitsdienstleistungen – vor allem aufgrund einer alternden Bevölkerung – sowie begrenzte finanzielle Mittel. Ribera nutzt Dynamics 365 Contact Center, OpenAI-Modelle für generative KI-Projekte, Azure Machine Learning für nicht-generative KI-Anwendungen, Microsoft Fabric, Dynamics Business Central und Microsoft 365 Copilot, um die Gesundheitsversorgung für Patient*innen zu verbessern. Medizinische Fachkräfte von Ribera verwenden die eigens entwickelte App Cynara Citizen, um Patient*innen mit chronischen Erkrankungen zu überwachen und frühzeitig zu reagieren, bevor Auffälligkeiten zu ernsten Problemen werden.
Ribera hat mithilfe von Azure Machine Learning ein Modell entwickelt, um Patient*innen zu identifizieren, bei denen ein Risiko für die Entwicklung von Druckgeschwüren besteht – ein häufiges Problem in Krankenhäusern. Ein weiteres Modell hilft, das Risiko von Stürzen vorherzusagen. Zudem testet das Unternehmen generative KI, um Entlassungsberichte für bestimmte Routineeingriffe zu erstellen und so Ärzt*innen Zeit zu sparen, die wiederum der direkten Patientenversorgung zugutekommen kann.
Lesen Sie den vollständigen englischen Originalartikel hier: 7 ways AI is advancing healthcare and wellbeing around the world
Images top to bottom:
- Pharmacist Dr. Bramwel Othieno checks stocks at Ryche Pharmacy in Nairobi. Photo by Afrikanna Production.
- From left, Florian Dax, Christian Schnepf and Mathias Duensing of the Munich Fire Department’s IT department. Photo by Nur Bayraktepe for Microsoft.
- Dr. Charles Pearman, left, and a patient at the Manchester University NHS Foundation Trust. Photo by Chris Welsch for Microsoft.
- Dr. Bramwel Othieno is a pharmacist at Ryche Pharmacy in Nairobi. Photo by Afrikanna Production.
- Intermountain Health’s hospital in Murray, Utah. Photo courtesy of Intermountain Health.
- Neurologist Dr. Haku Tanaka looking at a brain scan shared on his Microsoft Teams chat. Photo by Toru Hanai for Microsoft.
- Marina Sánchez Grau, a diagnostic radiographer, left, and María Isabel Pérez Zaragoza, a nuclear medicine technologist, at Ribera’s Hospital Universitario del Vinalopó, Spain. Photo by Miguel Vizcaíno for Microsoft.
Sally Beatty writes about AI and innovation at Microsoft, focusing on the company’s most cutting-edge breakthroughs and how emerging technologies are improving the lives of ordinary people. Previously, Sally was a feature reporter for the Wall Street Journal in New York, where she broke news about media and marketing. A California native, Sally lived in Hong Kong in the early 1990s, where she wrote for the Journal about the societal impact of economic and political reforms and consumer spending trends. You can contact Sally at LinkedIn.