Ausprobiert: Surface Studio mit Adobe Photoshop und Illustrator

Surface Studio wurde speziell für Kreative entwickelt. Ein guter Grund, es mit den Standard-Tools der Kreativen, Adobe Photoshop und Adobe Illustrator und Disziplinen wie dem Zeichnen mit Pixeln und Vektoren auszuprobieren.

Surface Studio ist kein gewöhnlicher PC sondern auf jedem Schreibtisch ein echter Hingucker, ja ein Design Objekt. Eigentlich besteht es praktisch nur aus einem Bildschirm – ich muss sagen wahrscheinlich dem besten, den ich bisher an einem Rechner gesehen habe. Vor allem die brillanten Farben und seine hohe Auflösung fallen sofort auf. Fotos sehen auf Surface Studio sehr kräftig und farbenfroh aus, Texte und Vektorkurven sind knackig scharf und werden mit weichen Kanten, ohne sichtbare Pixel dargestellt. Das sehr großzügige Display sorgt schon mal für den ersten großen „Wow“-Effekt nach dem Auspacken und macht sofort Lust, kreativ zu werden.

Der eigentliche Rechner steckt in dem unscheinbaren, aber stabilen Standfuß, an dem die Halterung für das Display befestigt ist. Damit sieht das Surface Studio eigentlich aus, als wäre es fast nur ein Bildschirm – würde nicht davor noch die kabellose Maus und Tastatur liegen. Surface Studio lässt sich wie ein Tablet mit einem seitlichen Schalter schnell anschalten. Darüber wird am seitlichen Bildschirmrand magnetisch ein Stift gehalten. So ist das Surface Studio nicht nur ein Gerät für Kreative, es eignet sich auch für den Konferenzraum zum Präsentieren von Arbeiten in kleiner Runde oder für den Empfang, wo einfach ein Rechner stehen soll, der gut aussieht.

Schwerelos in den Studio-Modus

Richtig interessant wird es, wenn man den seitlich angebrachten Stift verwendet. Mit dem “Zero Gravity”-Mechanismus lässt sich das Display stufenlos in eine flache Stellung, den sogenannten Studio-Modus, bringen. Je nach Geschmack, kann man den Bildschirm in einem nur leicht gekippten Winkel oder fast flach nutzen. Das Gefühl erinnert an einen Zeichentisch und ist der richtige Kompromiss aus einem Rechner mit zusätzlichem, drucksensitivem Zeichen-Tablet oder einem Tablet, auf dem man flach auf dem Tisch, und direkt auf dem Bildschirm zeichnet.

Der riesige Bildschirm zeigt nicht nur Farben, sondern er ist auch ein Touchscreen, der sich mit dem Finger oder per Stift bedienen lässt. Mit dem Stift wird das Surface Studio für Kreative zur so ziemlich besten Leinwand, die man sich wünschen kann. Auf den 28 Zoll ist richtig Platz für schwungvolle Pinselstriche. Paletten verdecken nicht das Artwork, sondern können beim Zeichnen offen und griffbereit bleiben.

Digital zeichnen mit Gefühl

Für die ersten Zeichenversuche reicht schon das mitgelieferte Paint 3D. Das simple Malprogramm kann verschiedene Pinselstriche wie zum Beispiel Ölpinsel simulieren und auch einfache 3D-Modelle zeichnen. Das ist zum Ausprobieren und für einfache Skizzen schon ganz nett, das volle Potenzial zeigt sich aber erst, wenn die gewohnten Tools für Kreative wie Photoshop CC und Illustrator CC aus der Adobe Creative Cloud zum Einsatz kommen.

In Photoshop stehen viele realistische Pinselstriche zur Verfügung, die allesamt präzise angepasst werden können. Zudem lassen sie sich leicht erweitern. Zum Beispiel wurde seit der letzten Adobe MAX in Las Vegas Photoshop um die hervorragenden Pinsel von Kyle Webster (https://www.kylebrush.com) erweitert. Darin findet sich zum Beispiel ein realistisch simulierter HB-Bleistift (hard-black also „hart-schwarz“), der sich hervorragend für Striche und erste Schattierungen in Skizzen eignet – egal ob für Comics, Film-Storyboards oder Produktdesigns.

Surface Studio ausprobiert

In Photoshop gelingen auf dem Surface Studio besonders gut natürliche Maltechniken – dank der großen digitalen Leinwand und mit dem drucksensitiven Surface Pen.

Der drahtlose Surface Pen liefert auf dem Display 4.096 Druckpunkte. Mit seiner leicht gummierten Spitze hat er gleichzeitig den richtigen Widerstand, so dass sich das Zeichnen nicht wie auf einer Glasplatte, sondern realistisch anfühlt. Sehr gelungen ist auch, wie die digitale Tinte gefühlt direkt aus dem Stift fließt. Möglich wird dies vermutlich durch das sehr dünne PixelSense-Display. So gelingen in Photoshop alle möglichen Zeichenstile – von Bleistift bis Ölfarben oder Aquarell. Der Stift eignet sich nicht nur zum Zeichnen, sondern ebenfalls sehr gut zum Retuschieren von Fotos, zum Beispiel mit der Airbrush-Technik oder beim Maskieren.

Neben dem reinen Zeichnen stehen in Photoshop natürlich alle Funktionen wie Ebenen, Ebenenmodi und Effekte zur Verfügung. So ist das Umsetzen eigentlich jeder kreativen Idee möglich – macht aber mit allen Möglichkeiten der Eingabe auf dem Surface Studio, also Stift, Maus und Tastatur – so viel Spaß und ist so flexibel wie nirgends sonst. Nicht nur das pixelorientierte Arbeiten in Photoshop gewinnt enorm, wenn man einen Stift verwendet, auch Vektorgrafik in Illustrator macht viel mehr Spaß. Ob Logo oder Icon-Design mit Pinseln, Handlettering oder präzise, geometrische oder perspektivische Formen: Mit dem Stift ist das Zeichnen in Illustrator so intuitiv wie noch nie und dank dem riesigen Display auf Surface Studio schwungvoll wie auf echter Leinwand.

Surface Studio ausprobiert

Illustrator kann ebenfalls viele Pinsel simulieren, bietet dabei aber noch die Vorteile des Vektororientierten Arbeitens.

Unterbrechungsfrei Zeichnen

Ein optionales Zubehör, das ich jedem empfehlen würde, ist der Surface Dial. Die Puck-förmige Scheibe kann auf oder neben dem Bildschirm gedrückt werden und ruft ein Radial-Menü auf. Seit dem letzten Update für Illustrator und Photoshop wird der Surface Dial von Photoshop und Illustrator unterstützt. Auf Knopfdruck ruft es Pinseloptionen wie Größe, Deckkraft und Einstellmöglichkeiten zum Pinselverhalten auf. Das ist beim Zeichnen Gold wert, denn so kann eine Hand am Dial bleiben und beim Zeichnen das ständige Wechseln zur Menü oder Palette und zurück ersparen. So kann sich der Kreative mehr auf sein Werk konzentrieren und muss nicht ständig unterbrechen. Zweites Killer-Feature: Der Dial kann auch Aktionen rückgängig machen. Wenn zum Beispiel die letzten 20 Pinselstriche nicht so gelungen waren, einfach durch Klicken die Rückgängig-Funktion aufrufen und durch Drehen zur gewünschten Stelle zurückspringen – Wow! Das schafft mehr Raum zum Experimentieren.

Surface Studio ausprobiert

Das radiale Menü zum Surface Dial erlaubt schnellen Zugriff auf Pinseloptionen.

Wer viel mit Shortcuts arbeitet – wie die meisten Kreativen – freut sich beim Surface Studio über die Tastatur. Das – und die Möglichkeit in den gewohnten, nicht abgespeckten Programmen zu arbeiten – ist der große Unterschied zu Zeichen-Apps auf einem Tablet.

Schade ist nur, dass der Surface Dial nicht per Standard mitgeliefert wird. Für mich sollte er auf jeden Fall, wie der Stift, schon beiliegen. Zudem würde ich mir wünschen, dass sich die Peripherie-Geräte wie Stift, Maus, Tastatur und Dial per USB aufladen lassen, statt wie derzeit mit Batterien zu laufen.

Fazit: Kreative Leinwand der Extraklasse

Keine Frage, das Surface Studio ist kein Schnäppchen und hat seinen Preis. Doch wer kreativ arbeitet, wird die Vorzüge schnell zu schätzen wissen: Der großzügige, brillante Bildschirm, der realistisch arbeitende Stift, das kippbare Display, die Kompatibilität mit den gewohnten Kreativ-Tools sowie das Arbeiten mit Maus und Tastatur-Shortcuts. All das summiert sich zu einem sehr starken Paket fürs digitale Gestalten, das schwer zu toppen ist.


Ein Gastbeitrag von Stefan von Gagern
Er schreibt in Hamburg als freier Journalist über Themen rund um Kreativität, Marketing und Technologie. Unternehmen berät er bei Content und Social Media. Als Experte für Adobe Creative Cloud kennt er Photoshop, Illustrator & Co seit den ersten Versionen. In seiner Freizeit ist er passionierter Musiker, Radfahrer und Zeichner.

Surface Studio ausprobiert

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