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Stein auf Stein: Erst digital, dann real

Wie sich die Baubranche mit innovativen Technologien neu erfinden kann

Die Bauindustrie gehört zu den ressourcenintensiven Branchen. Sie beansprucht einen Großteil der hierzulande geförderten mineralischen Rohstoffe, verbraucht Zement und Stahl. Entsprechend groß ist auch ihr ökologischer Fußabdruck. Mit dem gestiegenen Nachhaltigkeitsbewusstsein in der Bevölkerung verändern sich auch die Ansprüche von Bauherren. Gleichzeitig konzentriert sich die nationale und europäische Umweltpolitik immer stärker auf Aspekte des Klima- und Ressourcenschutzes. Gesetzgebung und Regierungsprogramme erhöhen den Druck zusätzlich. Die traditionell geprägte Baubranche ist in Bewegung gekommen und begegnet den neuen Herausforderungen mit nachhaltigen Baukonzepten und digitaler Planung.

Building Information Modeling – und der Neubau beginnt im Computer

Noch vor dem ersten Spatenstich existiert ein neues öffentliches Gebäude heute schon als komplettes 3D-Modell im Rechner. Während der Planungsphase wird der digitale Zwilling von allen beteiligten Gewerken gemeinsam gestaltet. So lassen sich sogenannte Kollisionen von vornherein vermeiden: wenn beispielsweise Rohrleitungen und Lüftungskanäle an derselben Stelle in der Wand geplant werden. Das macht die Bauausführung sicherer und effizienter. Der Einsatz dieses sogenannten Building Information Modeling (BIM), also der digitalen Bauwerksdatenmodellierung, ist seit diesem Jahr Pflicht in Deutschland – zunächst nur für Infrastrukturprojekte. Laut der PwC Studie „Digitalisierung der deutschen Bauindustrie“ hatte immerhin etwas mehr als die Hälfte der deutschen Bauunternehmen schon Berührungspunkte mit BIM – die Befragten sprechen von einer „positiven Erfahrung“ und „Arbeitserleichterung“. Mehr als 80 Prozent wollen in den nächsten Jahren mit BIM arbeiten. Allerdings hat bislang nur jeder Fünfte eine ausgereifte Strategie für das digitale Bauen.

Komplexität von Projekten bringt die Baubranche an eine Grenze

Die Innovation in der Bauindustrie geht nur langsam voran“, sagt Philipp Schneider. Er ist geschäftsführender Gesellschafter von MAUSS BAU – das Unternehmen mit rund 600 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ist seit dem Jahr 1884 im Familienbesitz. In mittlerweile fünfter Generation. Mit Tradition kennt sich Schneider also aus. Mit Digitalisierung aber auch. Und die reduziert er nicht nur auf BIM, denn er denkt noch viel weiter. „Die gesamte Branche wandelt sich, Bauprojekte werden immer komplexer. Zählt man die Nachunternehmer mit, sind auf Großbaustellen bis zu tausend Leute gleichzeitig im Einsatz. Ohne die entsprechenden Werkzeuge ist es für die Bauleitung nur schwer möglich, alle Themen vollumfänglich und fristgerecht abzuwickeln.“

Wenn Schneider in diesem Zusammenhang von Werkzeugen spricht, dann meint er nicht Bagger, Rüttelplatte oder Betonmischer, sondern Technologien. Er will Baustellen vernetzen und seine Bauleitungen in eine Cockpit-Situation bringen – mit allen Informationen und Frühindikatoren, die es ermöglichen, vor Ort schnell die richtigen Entscheidungen zu treffen. Immer an seiner Seite: ein digitaler Assistent, der ihn über Veränderungen im Bauzeitenplan informiert, mit dem er Bestellungen einsehen, Lieferketten steuern und Nachunternehmer benachrichtigen kann. „Gerade bei Großprojekten ist eine exakte Taktung der Baustelle essenziell“, erklärt Philipp Schneider. „Während der Rohbau errichtet wird, laufen schon die Vorbereitung für den Innenausbau. Verschiebt sich die Fertigstellung, können auch die folgenden Gewerke nicht starten und müssen neu geplant werden. Bei 25.000 qm Bürofläche, wie beispielsweise bei einem aktuellen Projekt im Herzen von Nürnberg, wäre das fatal.“

Früher hing die Bauablaufplanung auf den Baustellen von MAUSS BAU im Büro an der Wand. Heute findet sie digital statt, denn sämtliche Pläne und Projektdaten der rund 26 Baustellen von Mauss Bau liegen in der Cloud bei Microsoft Azure. Alle am Bau Beteiligten – auch Sub-Unternehmer –  haben Zugriff auf die Taktplanung und können über ein Dashboard ihre Aufgaben für den jeweiligen Tag einsehen. Und die Bauleitung weiß, wie viele Personen in welchem Gebäudeteil sind, um einen Auftrag zu erfüllen. Das erspart viele Wege und macht den Prozess deutlich schlanker. Der Status der Baustellen von Mauss Bau kann über den Business-Analytics-Dienst Power BI eingesehen werden. Dort werden Trends visualisiert und die Projektleiter können schnell den Bedarf an Terminänderungen, Personal, Material und Werkzeug erkennen und vorhersagen. Durch die Kollaborationsplattform Microsoft Teams wird sichergestellt, dass alle an den Baustellen beteiligten Projektteams und Unternehmen die Planungsänderungen in Echtzeit nachverfolgen können und stets den aktuellsten Bauplan zur Hand haben.

Künstliche Intelligenz wird bei Bauprojekten eine immer wichtigere Rolle spielen. Sie kann der Bauleitung vor Ort Empfehlungen geben, wie er die noch Baustelle optimaler abwickelt.

Philipp Schneider übernimmt mit MAUSS BAU eine Vorreiterrolle. Die Branche arbeitet nach wie vor überwiegend analog – schließlich hat das seit Jahrzehnten gut funktioniert. Viele Bauunternehmen planen noch mit klassischen 2D-Modellen, haben nur selten digitale Planungssoftware im Einsatz und Betoniertagebücher oder Stahllisten werden in Excel geführt. Dabei würde eine gezielte Digitalisierung bei der Planung etwa 30 Prozent an Kapazitäten einsparen, so eine Schätzung des Digital Magazins. Außerdem ließen sich Risiken frühzeitig erkennen und beseitigen und Bauvorhaben würden effizienter.

Die Branche ist sehr festgefahren“, kritisiert Philipp Schneider. „Da geht Innovation immer von der Geschäftsführung aus.“ Doch seine Belegschaft hat den Nutzen neuer Technologien erkannt. Eine eigene Datenbank stellt bei MAUSS BAU den Wissenstransfer sicher. Die Weiterbildung erfolgt unter anderem über Rollenspiele und Microsoft Teams erleichtert auch in Corona-Zeiten den Austausch der Geschäftsführung mit allen 600 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. „Über fünf Jahre haben wir ganz konsequent, aber in kleinen Schritten, unseren Weg gemacht. Wir hatten immer nur ein Thema im Blick: Wie können wir die Baustelle in die Lage versetzen, schnell und mit einer niedrigen Ausfallrate auf ihre Daten zuzugreifen. Die digitale Ablage in der Cloud, auf SharePoint – das hat am Anfang keiner verstanden. Heute wissen unsere Mitarbeiter, dass das Digitale einen Mehrwert bringt und sie dabei unterstützt, optimal zu arbeiten.

Das Team MAUSS. Sie haben Vertrauen in ihren innovativen Arbeitgeber und gehen auch den nächsten Schritt mit. MAUSS BAU wird die Bauablaufplanung mit einer eigenen Bestellplattform für den Baustoffhandel zusammenbringen. So könnte der digitale Assistent kontinuierlich den Bestand auf der Baustelle prüfen und der Bauleitung eine frühzeitige Bestellung fehlender Materialien vorschlagen – zum Beispiel vor der Schalung einer Wand oder der Betonierung einer Bodenplatte. Über eine Schnittstelle ließe sich der Status des Geräteparks einbeziehen: Sieht die Taktplanung für die kommende Woche einen Erdaushub vor, aber zu dieser Zeit ist kein Bagger vor Ort, weist das System darauf hin. Eine Bestellung lässt sich direkt und ohne einen Umweg auslösen.

Mit der Idee einer solchen Bestellplattform hat MAUSS BAU eine große Bedarfslücke aufgetan – und gleichzeitig sein Geschäftsmodell zukunftssicher gemacht,“ weiß Oliver Gürtler, Leiter des Mittelstandsgeschäfts bei Microsoft Deutschland. „Mit seiner Entwicklung vom traditionellen Bauunternehmen zum digitalen Lösungsanbieter verkörpert MAUSS BAU den Wandel, den jedes Unternehmen vollziehen muss, um ein Vorreiter in seiner Branche zu werden.

Künftig soll ein eigenes Start-up das auf Dynamics 365 basierende Modell weiterentwickeln und vertreiben. MAUSS BAU wird damit vom Bauunternehmen zum Lösungsanbieter. „Wir werden der Branche in Deutschland einen digitalen Begleiter an die Hand geben, der Baufirmen mit dem Baustoffhandel und den Anbietern von Geräteparks vernetzt“, fasst Philipp Schneider zusammen.

Mit seiner Entwicklung vom traditionellen Bauunternehmen zum digitalen Lösungsanbieter verkörpert MAUSS BAU den Wandel, den jedes Unternehmen vollziehen muss, um ein Vorreiter in seiner Branche zu werden.

Der Dreiklang der Nachhaltigkeit: Ökologie, Ökonomie und soziale Verantwortung

Die Effizienz von Baustellen ist wichtiger Bestandteil eines ganzheitlichen Nachhaltigkeitsbestrebens. Neben ökologischen Aspekten gehören dazu auch der ökonomische Erfolg und die soziale Verantwortung für die Beschäftigten. Wenn das Geschäft läuft, sichert das schließlich auch Arbeitsplätze. „Nachhaltigkeit ist für uns ein enorm wichtiges Zukunftsthema“, sagt Schneider. „Und zwar nicht, weil es an uns herangetragen wird, sondern weil wir persönlich Verantwortung übernehmen wollen.“ Schon bei der Planung eines Gebäudes steht die Auswahl nachhaltiger Produkte im Fokus. Dabei geht es vor allem um Materialien, die sich beim Abriss auch wieder gut rückbauen, recyceln und wiederverwenden lassen, so dass nur wenig Rohstoffe benötigt werden, um wieder etwas Neues zu schaffen. „Wenn ich ein Wärmeverbundsystem an die Wand klebe, dann ist das zwar energieeffizient, aber ich produziere damit gleichzeitig Sondermüll“, sagt Schneider. „Wir sind immer auf der Suche nach nachhaltigeren Produkten.“ Aktuell hat MAUSS BAU die Stelle eines Nachhaltigkeitsmanagers ausgeschrieben, um das Thema mit einer eigenen konsequenten Nachhaltigkeitsstrategie Lösungsansätze zum Thema nachhaltiges Bauen zu definieren und umzusetzen.

Aus dem Kreislaufwirtschaftsgesetz, dem Gebäudeenergiegesetz oder dem Deutschen Ressourceneffizienzprogramm (ProgRess) der Bundesregierung entstehen neue Anforderungen für die Bauwirtschaft. Sie gehen Hand in Hand mit den hohen Erwartungen von Bauherren und Immobilienkäufern. Die Digitalisierung hilft der Baubranche, die noch von traditionellen Arbeitsweisen geprägt wird, diesen Ansprüchen gerecht zu werden. MAUSS BAU ist dafür ein inspirierendes Beispiel.

Weitere Informationen rund um den Case können Sie hier nachlesen.

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