KI gestalten mit: Marilyn Repp

Ein Bild von Marilyn Repp, Projektleiterin Mittelstand 4.0-Kompetenzzentrum Handel auf einer gezeichneten Bastelunterlage.

In unserer Reihe „KI gestalten mit“ stellen wir Personen hinter der Technologie und ihre Visionen und Projekte rund um künstliche Intelligenz vor. Marilyn Repp ist Projektleiterin im Mittelstand 4.0-Kompetenzzentrum Handel beim Handelsverband Deutschland und zeigt Händler*innen auf, was sie mit digitalen Technologien machen können. Und machen sollten. In erster Linie mit Events, Podcasts und in Showrooms. Besonders das Netzwerken und der Austausch begeistert sie: Was machen andere Institutionen und Unternehmen im Bereich digitale Transformation? Was können sie gemeinsam umsetzen?

Außerdem hostet Marilyn auf dem Blog ZukunftdesEinkaufens.de den Female Retail Podcast, in dem führende Expertinnen der Branche mit ihr über Innovationen und neue Technologien im Handel sprechen.

Wir haben ihr sechs Fragen zu künstlicher Intelligenz gestellt.

Wie bist du das erste Mal mit KI in Berührung gekommen?

Marilyn: „In meinem vergangenen Job als Mittelstandslobbyistin. Im politischen Berlin ist das Thema seit ein paar Jahren absolut en vogue und wird auf Events und auf Podien diskutiert. Manchmal sind diese Trendthemen salopp ausgedrückt auch nur eine neue „Sau, die durchs Dorf getrieben wird“, die danach mehr oder weniger verschwinden. Das ist aber bei KI nicht der Fall – davon bin ich überzeugt. Diese Grundlagentechnologie wird in wenigen Jahren in allen Lebensbereichen zum Einsatz kommen. Warum? Weil sie viele Probleme löst, vieles vereinfacht und Menschen entlastet.“

Der Einsatz von KI im Bereich Retail ist mit großen Erwartungen, aber auch einigen Unsicherheiten verbunden. Woran liegt das und was sind aus deiner Sicht die Chancen?

Marilyn: „Künstliche Intelligenz braucht Daten. Im Handel heißt das auch: Daten von Kund*innen. Da kommen schnell Bedenken zum Thema „der gläserne Kunde“ auf. Aber will ich in den sozialen Medien Werbung für Autoreifen bekommen, obwohl ich kein Auto habe? Da ist mir persönlich passgenaue Werbung schon lieber. Was hier aus meiner Sicht noch fehlt, ist Transparenz und Übersichtlichkeit: Wer macht was mit meinen Daten, wo fließen sie hin? Daran müssen wir meiner Meinung noch arbeiten.

Was die Chancen angeht, halten Anwendungen auf Grundlage von künstlicher Intelligenz für die Handelswelt viel Gutes bereit. Es geht darum, die Kundin besser zu verstehen und passgenaue Angebote zu machen. Ein Beispiel: In Zukunft gibt es vielleicht keine Konfektionsgrößen mehr, sondern nur noch maßgeschneiderte und damit perfekt sitzende Kleidung. Die Retourenquote im Online-Handel für Fashion und Accessoires liegt heute bei 40 Prozent. Ein riesiges Problem, das auch der Umwelt schadet. Wenn die bestellte Ware wie angegossen sitzt, würde diese Quote sinken!

Ein anderes Beispiel aus dem stationären Bereich: Auch ich habe im „Corona-Jahr“ wie viele andere auch viel in unserer Wohnung renoviert. Im Baumarkt musste ich oft sehr lange suchen, um das passende Produkt zu finden. Und die Mitarbeitenden waren genervt, weil sie immer die gleichen Fragen beantworten müssen: wo ist dies, wo ist jenes? Schon jetzt gibt es Umfragen, die zeigen, dass Kund*innen manche Dinge lieber mit einem Chatbot (dahinter steckt eine KI) lösen als mit einem echten Menschen. In Zukunft werden es Mitarbeitende und Kunden leichter haben, dank intelligenter Unterstützung durch Algorithmen – auch im stationären Bereich. Dabei können sich die Mitarbeitenden besser auf das konzentrieren, was die Kund*innen vor Ort suchen: persönliche Beratung, Tipps, gute Ideen und ein freundliches Gespräch.“

Welches Narrativ würdest du dir mit Blick auf KI für die Zukunft (in Deutschland) wünschen?

Marilyn: „Künstliche Intelligenz erleichtert uns das Leben. Technologien und Anwendungen, die in den kommenden Jahren auf dieser Grundlage entstehen, haben das Potenzial, die Probleme unserer Zeit zu lösen. Die Anwender*innen und Kund*innen müssen mehr darüber wissen: was ist KI wirklich und was ist es nicht? 

Vielen Leuten schießt beim Stichwort „künstliche Intelligenz“ immer noch der Gedanke an Roboter aus einem Science-Fiction-Film in den Kopf, die die Weltherrschaft übernehmen wollen. Das ist natürlich Quatsch und trifft auf die Technologien, über die wir hier sprechen, überhaupt nicht zu. Wir müssen vielmehr Ängste abbauen und die großen Chancen aufzeigen.“

Welchen Beitrag kann jede und jeder von uns aus deiner Sicht für die Weiterentwicklung von KI leisten?

Marilyn: „Durch unser Verhalten im Internet trainieren wir bereits jetzt KI-Anwendungen von Unternehmen. Europa sollte auch in Zukunft eine Rolle bei der Entwicklung von Zukunftstechnologien wie KI spielen und vor allem in der Lage sein, die ethischen Leitlinien dafür mitzubestimmen.

Dafür müssen wir als Anwender*innen aber auch eine gewisse Offenheit mitbringen. Gerade wir Deutsche sollten neugieriger sein und Neues ausprobieren – auch neue Technologien. Uns kommen zu oft, zu schnell mögliche Bedenken in den Sinn – während man in den USA und in Asien schon zwei Schritte weiter ist. Ich würde mir also wünschen: mehr Offenheit, mehr Neugierde, mehr Ausprobieren. Das trainiert dann die Anwendungen, die dadurch immer besser werden.

Außerdem: jede und jeder sollte sich heute über digitale Themen informieren. Wir stecken mitten in einer industriellen Revolution! Nicht jede*r muss KI entwickeln können, aber ein grundlegendes Verständnis dafür, wie es funktioniert, ist wichtig. Hier müssen auch Bildungseinrichtungen besser werden und Aufklärungsarbeit leisten.“

Du sollst eine Person in drei Sätzen vom Nutzen von KI überzeugen: Wie sähe dein Elevator Pitch aus?

Marilyn: „Die Dampfmaschine hat das Leben der Menschen verbessert. Das Auto und das Telefon haben unser Leben verbessert – auch künstliche Intelligenz wird das tun. Also keine Angst, sondern offen sein für neue Technologien. KI kann uns in vielen Bereichen sehr helfen!“

Bonus-Frage: Hast du Vorbilder, die dich zum Thema KI inspirieren und von denen du gerne lernst?

Marilyn: „Mir ist wichtig, dass nicht nur weiße Männer die Welt der Digitalisierung erklären. Unsere Zukunft ist vielfältig, divers. Daher freue ich mich über Frauen und Formate, die das fördern, zum Beispiel Doro Bär oder Tijen Onaran. Ich freue mich auch über jede weibliche Tech-Start-Up-Gründerin – da brauchen wir viel mehr Rolemodels. Auch ich selbst leiste ja mit meinem Podcast einen kleinen Beitrag zu diesem ‚Welterklären aus weiblicher Sicht‘.“

KI gemeinsam gestalten

Drei Personen auf dem Fahrrad

Für uns steht fest: Wir müssen KI gemeinsam gestalten. Nur dann können wir sicherstellen, dass möglichst alle Menschen von den Chancen profitieren, die damit einhergehen. Dazu gehört ein offener Dialog, den wir im Rahmen unseres Formats #KiTweetUp bei Twitter führen.

Dort tauschen wir uns regelmäßig zu Fragen und Ideen rund um künstliche Intelligenz aus. Wer nichts verpassen möchte, folgt @MicrosoftDE und hält #KiTweetUp im Blick. Wir freuen uns!

Weitere Ressourcen:

 


Ein Beitrag von Pina Meisel
Communications Manager AI & Innovation

Pina Meisel als Portrait-Bild

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