Blogparade: Was macht einen guten Digital Leader eigentlich aus?

TimeTac Zeiterfassung hat eine spannende Blogparade zum Digital Leadership gestartet. Ines Gensinger hat sich Gedanken gemacht, was einen guten Digital Leader eigentlich ausmacht.

Ich habe erst kürzlich auf einer Veranstaltung der Digital Media Women in Hamburg gemeinsam mit meiner Co-Autorin Christiane Brandes-Visbeck zu diesem Thema gesprochen. Eine Teilnehmerin aus dem Publikum fragte mich: „Warum eigentlich „Digital“ Leader?“ Die Führungsprinzipien über die wir dabei sprechen, wären bereits seit Jahren die Grundlage für gute Führung. Ein sehr guter Einwand – was also zeichnet einen Digital Leader aus? Schlechte Chefs zu charakterisieren ist deutlich einfacher, denn leider kennen die meisten von uns sie nur allzu gut. Sie sind im wahrsten Sinne des Wortes „Vorgesetzte“ – und sie haben ausgedient, so viel ist sicher.

Gute Führung bedeutete vor 20 Jahren dasselbe wie heute

Führen bedeutete natürlich schon immer, mit gutem Beispiel voranzugehen und die Mitarbeiter auf dem Weg mitzunehmen. Entsprechend ist es absolut richtig, dass eine gute Führungskraft vor 20 Jahren genauso wie heute durch Fähigkeiten wie Empathie, Offenheit, Respekt und Zuhören auffällt. Neu sind die vielfältigen Transformationsprozesse und der stetige Wandel der Anforderungen und Umstände, die in einem rasanten Tempo stattfinden und Führungskräfte vor neue Herausforderungen stellen: Mitarbeiter arbeiten selbstbestimmter. Teams sitzen verteilt an verschiedenen Orten, immer häufiger sogar in unterschiedlichen Zeitzonen. Hierarchien lösen sich zunehmend auf und Prozesse werden transparenter. Ein starker Treiber für viele dieser Entwicklungen ist die Digitalisierung. Smarte Technologien ermöglichen diese neuen Arbeitsweisen erst und sind das wichtigste Handwerkszeug für Wissensarbeiter.

Digital Leader nehmen sich selbst zurück, um anderen Raum zu geben

Für das Skill-, und vor allem Mindset von Führungskräften bedeutet das: Flexibilität, Offenheit und eine große Affinität für smarte Tools im digitalen Raum sind heute und in Zukunft essentiell. Gleichzeitig müssen sie lernen, auch mit Hilfe dieser „neuen Werkzeuge“ zu führen. Sie müssen dafür Sorge tragen, dass trotz verteilter Teams der persönliche Kontakt nicht zu kurz kommt und auch die Kollegen an anderen Standorten am virtuellen Team-Schreibtisch einen Platz finden. Sie müssen eine Balance zwischen den individuellen Bedürfnissen der Einzelnen und dem Wohl des möglichst vielfältig zusammengesetzten Teams finden. Das gilt auch für sie selbst: Das Wohl des Teams und der Mitarbeiter muss wichtiger sein als das eigene Ego.

Vertrauen und Kontrolle sind unvereinbare Antipoden

Neben Digitalkompetenz und dem Mut, Veränderungen als Chancen zu begreifen, sind aus meiner Sicht noch zwei weitere Eigenschaft für einen Digital Leader maßgeblich: zum einen Vertrauen, denn selbstbestimmtes Arbeiten bedeutet für Führungskräfte auch, den Teams die Möglichkeit zu geben, ihren eigenen Weg zu gehen. Verantwortung abzugeben – ein bewusster und gleichzeitig nur vermeintlicher Kontrollverlust. Gute Führung funktioniert aus meiner Sicht nur über Ziele – wie diese erreicht werden, kann jedes Team in jedem Projekt selbst bestimmen. Und das ist erfahrungsgemäß oft ein ganz anderer Weg als der, den man selbst gehen würde. Oft ist es sogar ein viel besserer. Führungskräfte müssen lernen, damit umzugehen, den Mitarbeitern zu vertrauen. Ständige Kontrolle ist für dieses Vertrauensverhältnis pures Gift – und zwar für beide Seiten.

Reflexion ist für Mitarbeiter und Digital Leader gleichermaßen wichtig

Zum anderen ist der Wille wichtig, sich selbst, den eigenen Führungsstil und die Arbeitsweise kontinuierlich zu hinterfragen. Die digitale Transformation ist kein Prozess, den man abschließen kann, kein Kapitel das man beendet und ein neues aufschlägt. Das gleiche muss auch für das Verständnis von Arbeit und Führung gelten – was heute ein guter Weg ist, muss morgen nicht unbedingt passen. Deswegen ist es wichtig, dass Digital Leader sich selbst hinterfragen und eine offene Fehler- und Feedbackkultur pflegen. Das kann manchmal auch weh tun – es lohnt sich aber, weil es eine kontinuierliche Weiterentwicklung bedeutet. Und wie hat Herbert Grönemeyer so schön gesungen: Stillstand ist der Tod.

Natürlich gibt es keine Blaupause für Digital Leadership – entscheidend ist letztlich nur das richtige Mindset. Wie das aus meiner Sicht aussieht und vor allem, wie Führungskräfte ihren eigenen Stil für Digital Leadership finden, beschreibe ich auch in meinem Buch „Netzwerk schlägt Hierarchie“.

Ich freue mich auf weitere spannende Beiträge dazu in dieser Blogparade und vor allem eine offene Diskussion mit euch!


Ines Gensinger: Blogparade Digital LeaderEin Beitrag von Ines Gensinger
Autorin & Head of Business and Consumer Communications bei Microsoft Deutschland