Nachhaltigkeit in der Automobilindustrie: Impulse für eine zukunftsfähige Branche

Automotive Roundtable am 9.12.2021: Hildegard Müller (VDA), Marco Philippi (AUDI AG), Habib Modabber (Bosch Building Technologies), Stefan André Raschke (Microsoft Deutschland), Dr. Irene Feige (BMW Group), Andreas Britz (Microsoft Deutschland)

Automobilhersteller und Zulieferer sehen sich einem großen Veränderungsdruck ausgesetzt. Die Klimakrise, die fortschreitende Digitalisierung und nicht zuletzt die Pandemie haben gezeigt, wie wichtig die Faktoren Nachhaltigkeit und Resilienz für die Zukunftsfähigkeit der Automobilindustrie sind. Im Rahmen unseres Roundtables am 9.12.2021 kamen wir mit Expert*innen der Branche zusammen, um gemeinsam über die drängenden Probleme unserer Zeit und mögliche Strategien zu sprechen.

Fast 30 Prozent der CO2-Emissionen in der EU sind auf den Verkehr zurückzuführen. Wollen wir unser Ziel, ein CO2-neutrales Europa, bis 2050 erreichen, ist der häufig diskutierte Strukturwandel in der Branche unumgänglich. Automobilhersteller und Zulieferer brauchen deshalb umsetzbare Zukunftsstrategien, die die Dekarbonisierung der Emissionen über die Lebensdauer des Fahrzeugs und über die komplette Wertschöpfungskette hinweg mitdenken. 

Auf die deutschen Automobilhersteller und Zulieferer wächst insbesondere der regulatorische Druck – gleichzeitig nimmt aber auch das Verbraucherinteresse an nachhaltigen Fahrzeugen und innovativen Konzepten stetig zu, vor allem in Hinblick auf die E-Mobilität. Elektrofahrzeuge stellen die effizienteste Weise dar, die Emissionen über die Fahrzeuglebenszeit zu verringern. Dass sie zum Gelingen des Gesamtprojekts CO2-Reduktion beitragen können, ist jedoch an Vorraussetzungen geknüpft. Darauf verwies auch VDA-Präsidentin Hildegard Müller während unseres Roundtables: „Ob die Verbraucherinnen und Verbraucher mitgehen, hängt davon ab, ob die Rahmenbedingungen stimmen. Dazu gehört auch, dass Strom aus Erneuerbaren Energien und eine ausreichende Ladeinfrastruktur vorhanden sein müssen. Beides brauchen wir, damit die Akzeptanz für die E-Mobilität weiter wächst.“ 

Emissionen über den ganzen Lebenszyklus mitdenken

Auch in der Fertigung von Elektrofahrzeugen muss die Nachhaltigkeit ganzheitlich gedacht werden: Woher kommen die Rohstoffe, wie werden sie abgebaut und wie steht es um die Transportwege? Auch die Entsorgung sowie die Möglichkeit der Rückführung in den Rohstoffkreislauf spielt bereits an dieser Stelle eine wesentliche Rolle, um den Lebenszyklus nachhaltiger zu gestalten. Lieferkettentransparenz ist somit ein erster unvermeidbarer Schritt in eine nachhaltigere Zukunft.  

Gerade in der Automobilindustrie sind Lieferketten jedoch sehr komplex und die Überwachung der Einhaltung von Standards nicht einfach. Die nachhaltigkeitsorientierte Prozessoptimierung kann deshalb vor allem von einer Standardisierung der offenen Übertragung digitaler Informationen profitieren. Die Vernetzung innerhalb der Branche über Unternehmen unterschiedlicher Größen hinweg und das Teilen von Daten in einem gemeinsamen Ökosystem kann nicht nur die Überwachung der Nachhaltigkeitsstandards erleichtern, sondern auch das Qualitätsmanagement und die Logistik optimieren. Selbst wenn das Teilen von Daten derzeit für viele Unternehmen noch abschreckend klingt, ist es etwas, das wir für eine nachhaltigere Branche gemeinschaftlich lernen müssen.  

Die Digitalisierung nachhaltig gestalten

Zahlreiche große Automobilhersteller transformieren ihre Unternehmen derzeit nach dem Motto „Digital-First“ um konkurrenzfähig zu bleiben. Dies birgt ebenfalls Chancen, die Branche nachhaltiger zu gestalten. Hierfür muss jedoch die Digitalisierung selbst nachhaltig sein: Wir müssen Nachhaltigkeit „by design“ denken und über die Software-Entwicklung und das Engineering hinweg umsetzen. Dies beginnt bei der Minimierung des Energieverbrauchs bis hin zur nachhaltigen Erzeugung ebendieser. Habib Modabber, Director Business Development & New Services bei Bosch Building Technologies, beschrieb während des Roundtables außerdem die Gebäudeautomation der Produktionsstätten als wesentlichen Bestandteil einer ganzheitlich gedachten Nachhaltigkeitsstrategie. Als „Nervensystem des Gebäudes“ ist die Automation der Schlüssel zur Digitalisierung und Transparenz der Produktionsstätten. Die Automobilindustrie benötigt heute Lösungen, mit denen sie intelligente Fabriken steuern und ihre IT-Infrastruktur modernisieren kann, um eben damit den ganzheitlichen Wandel zu nachhaltigen Mobilitätsangeboten und -diensten zu gestalten. Diese Lösungen zahlen nicht nur auf die Klimaziele ein, sondern werden zudem den Bedürfnissen der Kunden gerecht.  

Marco Philippi, Leiter der Beschaffungsstrategie der AUDI AG, stellt während des Automotive-Roundtables vor, wie das Unternehmen mehr Nachhaltigkeit in seiner Lieferkette sicherstellt. Dafür setzt Audi unter anderem auf Künstliche Intelligenz und hat bereits 2019 ein Nachhaltigkeits-Rating eingeführt, das Voraussetzung für die Vergabe neuer Aufträge an Zulieferunternehmen ist. Mit diesem Verfahren prüft Audi, ob Vertragspartner die Vorgaben des Code of Conduct für Geschäftspartner einhalten. Eine Zusammenarbeit kommt nur bei einem positiven Ergebnis der Prüfung zustande. Zudem bietet das Unternehmen Schulungen für seine Geschäftspartner an, um sie auf die notwendigen Anforderungen zu qualifizieren. Zu den Schwerpunkten der Nachhaltigkeitsbemühungen von Audi zählen Umweltschutzaspekte, die Verbesserung der Arbeitsbedingungen in der Lieferkette sowie der Einsatz innovativer Technologien für ein besseres Lieferketten-Monitoring.

Ganzheitliche Strategien für eine zukunftsfähige Branche

Die zwei großen Treiber der Veränderungen – die Klimakrise sowie die Digitalisierung – sind branchenübergreifende Herausforderungen, die es gemeinschaftlich zu meistern gilt. Um die Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen zu erreichen, aber auch um eine starke Branche zukunftsfähiger zu machen, müssen wir ganzheitlich gedachte Nachhaltigkeitsstrategien verfolgen. Hier ist der intelligente Einsatz von Technologie der Schlüssel: Für mehr Transparenz, Messbarkeit und die Etablierung von sinnvollen Steuerungsmechanismen.  

 


Ein Beitrag von Stefan André Raschke
Direktor Vertrieb und Industrie Automotive bei Microsoft Deutschland

Stefan André Raschke, Director Automotive, Microsoft Deutschland

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